| ROUNDUP: Leica setzt auf Verjüngung - Andreas Voll wird neuer Chef |
| 15.03.2026 18:35:00 |
Der Kamerahersteller Leica geht mit Andreas Voll
als neuem Vorstandsvorsitzenden in die Zukunft. Der frühere
operative Geschäftsführer der Schweizer Uhrenmanufaktur IWC löst
Matthias Harsch ab, der seit September 2017 an der Spitze des
Unternehmens steht. Mit Voll habe man "einen ausgesprochenen
Allround-Kandidaten" für den Vorstandsvorsitz gewinnen können, der
die Marke hervorragend vertreten und mit den Mitarbeitern "sehr
empathisch" umgehen könne, sagte der Leica-Mehrheitseigentümer und
Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Kaufmann der Deutschen
Presse-Agentur.
Harschs Vertrag läuft Ende dieses Monats aus. Erst Ende Februar
hatte der 60-Jährige am Rande der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona
die Neuauflage des Leitzphone präsentiert. Das Kamera-Smartphone von
Leica wird weltweit vermarktet und in Zusammenarbeit mit dem
chinesischen Elektronikkonzern Xiaomi produziert. Den Schritt sehe
man als "Krönung" und Abrundung von Harschs Karriere bei Leica,
sagte Kaufmann.
"Neue Periode der weiteren Entwicklung" bei Leica
Mit achteinhalb Jahren an der Vorstandsspitze sei der frühere
Loewe-Chef "einer unserer längstdienenden CEOs überhaupt". Es sei
nicht unüblich, dass man nach einer solchen Zeit in einem
Unternehmen "erstmal ein bisschen verschnaufen" wolle. Da Leica
jetzt "eine neue Periode der weiteren Entwicklung" beginne, habe man
gemeinsam entschieden, dass Harsch seine Tätigkeit "in aller
Freundschaft" beende. "Er wird der Firma weiterhin verbunden sein
und hat für bestimmte Projekte auch noch einen Beratervertrag",
sagte Kaufmann.
Mit der Verpflichtung von Andreas Voll (44) sorge man für eine
weitere Verjüngung im Vorstand. "Er ist ein gestandener Vierziger,
das heißt, man geht an die Dinge völlig anders ran als ein
gestandener Siebziger, so wie ich es bin", sagte Kaufmann.
Neuer Chef will digitale Transformation vorantreiben
Zuletzt war Voll Vorstandsvorsitzender bei der für Dübel und andere
Befestigungstechnik bekannte Unternehmensgruppe Fischer im
baden-württembergischen Waldachtal. Seine berufliche Laufbahn hatte
der Manager in der Unternehmensberatung bei Roland Berger begonnen.
"Mit Andreas Voll gewinnen wir eine Persönlichkeit, die
unternehmerische Weitsicht, technologische Kompetenz und ein tiefes
Verständnis für Luxus- und Premiummarken vereint", so Kaufmann laut
Mitteilung. Voll selbst erklärte darin, er wolle gemeinsam mit dem
Team "die Innovationskraft stärken, die digitale Transformation
vorantreiben und die internationale Präsenz weiter ausbauen".
Kaufmann ist mit 55 Prozent Mehrheitseigentümer des
Kameraherstellers mit Sitz in Wetzlar und weltweit rund 2.300
Beschäftigten. Die restlichen 45 Prozent hält der Finanzinvestor
Blackstone . Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben,
wonach Kaufmann und Blackstone den Verkauf einer
Mehrheitsbeteiligung prüfen sollen. "Zurzeit sind Gerüchte am Markt,
die wir nicht kommentieren", sagte Kaufmann. Er verwies zugleich
darauf, dass alle Familienmitglieder bei Leica oder Tochterfirmen
arbeiteten. "Das heißt, wir sind kräftig engagiert und planen das
auch so für die weitere Zukunft."
Harsch lieferte Umsatzrekorde
Unter Harschs Führung hatte Leica mehrere Umsatzrekorde in Folge
erzielt. Zuletzt legten die Erlöse der Leica Camera AG im
vergangenen Geschäftsjahr (31. März) 2024/25 um 7,6 Prozent auf den
Höchstwert von 596 Millionen Euro zu. Auch das demnächst endende
Geschäftsjahr werde man wieder "mit einer sehr interessanten Zahl"
abschließen, sagte Kaufmann, nannte aber noch keine Details. Das
Unternehmen hatte zuletzt etwa vom Revival der Kompaktkameras mit
einem Trend hin zu hochwertigen Geräten profitiert.
"Sehr gesunde Nachfrage" für neues Leitzphone
Das neue Leitzphone werde mittlerweile seit rund einer Woche
verkauft, dafür gebe es eine "sehr gesunde Nachfrage", so der
Aufsichtsratsvorsitzende. "Ich vermute fast, dass wir die Menge zu
gering geplant haben, aber es gibt ja Schlimmeres als sowas." Mit
einem Verkaufspreis von knapp 2.000 Euro tritt Leica mit dem Modell
gegen Premiumersteller wie Apple und Samsung
an.
Das Unternehmen vermarktet seine Kameras und weiteren Produkte über
Stores weltweit, unter anderem auch in Doha und Dubai. Den
Iran-Krieg und seine Folgen beobachtet Kaufmann täglich und sagte:
"Wir können momentan nicht wirklich abschätzen, welche Auswirkungen
das Geschehen in der Region haben wird." Die Resilienz in den
Vereinigten Arabischen Emiraten sei aber "viel höher, als wir es uns
hierzulande vorstellen".
Neue Stores geplant
Trotz der derzeit schwierigen weltpolitischen Lage arbeite man an
der Erweiterung des weltweiten Netzes von Stores. In den USA seien
zwei Eröffnungen in Chicago und in Houston in Planung. In Europa
werde man in diesem Jahr voraussichtlich noch einen Store in
Lissabon eröffnen, weitere seien bereits in der Planung. "Wir sind
ein kleinerer Mittelständler aus Deutschland, wir versuchen diese
Situation so gut es geht zu managen und das Richtige zu tun."
Ähnlich verfahre man mit den von US-Präsident Donald Trump
verhängten Zöllen: "Sie liefern hin, plötzlich kommt ein Aufschlag
drauf, dann müssen Sie es natürlich in irgendeiner Form
weiterreichen", beschrieb Kaufmann die Lage. "Bisher waren die
amerikanischen Kunden diesbezüglich eigentlich sehr nett und haben
es akzeptiert. Was immer da kommen wird, wir können es nicht
beeinflussen, es ist halt so."/csc/DP/he
ISIN US09253U1088
AXC0107 2026-03-15/18:35
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Autor: - dpa-AFX
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