| AKTIE IM FOKUS: Schachzug von Unicredit für Übernahme treibt Commerzbank an |
| 16.03.2026 13:20:00 |
Ein taktisch kalkuliertes
Übernahmeangebot von Unicredit für die Commerzbank
hat den Aktien des deutschen Finanzinstituts am
Montag spürbar Auftrieb gegeben. Gegen Mittag waren sie mit plus 6,7
Prozent auf 31,57 Euro Spitzenwert im stabilen Leitindex Dax.
Am Morgen hatten sich die Papiere die meiste Zeit über im Bereich
des rechnerischen Umtauschniveaus bewegt. Die Unicredit bietet als
bereits größter Anteilseigner der Commerzbank für die restlichen
Anteilsscheine voraussichtlich jeweils 0,485 neue Unicredit-Papiere.
Das entsprach zum Preis vom Freitagabend 30,80 Euro. Aktuell kosten
Unicredit mit 63 Euro etwas weniger als vor dem Wochenende.
Letztlich festlegen wird den Preis der deutsche Bankenregulierer
BaFin.
Wie Analyst Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler schrieb, müssten die
Frankfurter nun ihre Profitabilität weiter verbessern und den
Anlegern attraktive Ausschüttungen bieten, um ihre Chance auf
Eigenständigkeit zu erhöhen.
Aktuell hält die italienische Großbank bereits 26 Prozent direkt an
der Commerzbank und kontrolliert eigenen Angaben zufolge inklusive
Finanzinstrumenten insgesamt 29,9 Prozent.
Das aber bringt ein Problem mit sich, denn ab einer Schwelle von 30
Prozent ist ein Unternehmen laut deutschem Übernahmerecht
verpflichtet, ein Kaufangebot abzugeben. Von daher sehen Analysten
die Offerte von Unicredit als Schachzug.
Laut Anke Reingen von der kanadischen Bank RBC untermauert die
Unicredit so das Interesse an der Commerzbank, erlaubt ihr aber
gleichzeitig die Fortsetzung des Aktienrückkaufprogramms, ohne ein
Pflichtangebot auszulösen. Gleichzeitig habe man die Möglichkeit,
den eigenen Commerzbank-Anteil am Markt oder auf andere Weise frei
zu erhöhen.
Analyst Roger Degen von der Schweizer Bank Julius Bär hatte eine
positive Aktienreaktion auf die Mitteilung der Unicredit zwar
erwartet, hält aber den Angebotspreis für zu gering. Sein Kursziel
für Commerzbank-Papiere beträgt aktuell 38 Euro. Außerdem hob er den
Standpunkt der Bundesregierung als wichtigen Aspekt hervor. "Die
Bundesregierung, die ebenfalls an der Commerzbank beteiligt ist, hat
wiederholt deutlich gemacht hat, dass sie eine Übernahme durch
Unicredit ablehnt", schrieb Degen.
Mit Blick auf diese Facette interpretierte auch Andreas Lipkow vom
Broker CMC Markets das Vorgehen der Italiener. "Da eine gehörige
politische Komponente mit berücksichtigt werden muss, entscheidet
sich Unicredit für eine eher vorsichtigere Gangart und versucht, mit
dem derzeitigen Vorgehen mehr Mitspracherecht zu erlangen."
Das Übernahmeinteresse der Italiener an der zweitgrößten deutschen
Bank war bereits 2024 bekannt geworden. Damals, im September, hatten
sie den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der
Commerzbank einzusteigen. Neben einer direkten Beteiligung von
zunächst knapp unter 10 Prozent sicherten sie sich über
Finanzinstrumente Zugriff auf weitere fast 19 Prozent. Im August
2025 dann teilte Unicredit den Anstieg des direkten Aktienanteils
auf rund 26 Prozent mit, bevor es wieder ruhiger um das Thema wurde.
Der Aktienkurs, der daraufhin bis auf 38,40 Euro und damit den
höchsten Stand seit Herbst 2010 geklettert war, gab wieder deutlich
nach. Erst seit Anfang des Jahres legte er in einem Auf und Ab
erneut deutlicher zu und kletterte im Januar bis auf 37,24 Euro. Im
Zuge der Marktverwerfungen durch den Iran-Krieg Ende Februar ging es
abwärts bis unter 30 Euro, so wie am vergangenen Freitag./ck/ag/nas
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