ROUNDUP/NRW: Ab Dienstag vorerst keine neuen Warnstreiks im Nahverkehr
19.03.2026 08:20:00

Die Warnstreikwelle im kommunalen Nahverkehr mit Einschränkungen bei Bussen und Stadtbahnen ebbt in der neuen Woche ab. Ab Dienstag (24. März) müssen Fahrgäste voraussichtlich vorerst nicht mehr mit Arbeitskampfmaßnahmen rechnen. Verdi NRW plane während der dann beginnenden dritten Verhandlungsrunde keine Streikmaßnahmen, sagte Verdi-Branchenkoordinator Lukas Frew der Deutschen Presse-Agentur.
Dreitägige Verhandlungen
Die Tarifverhandlungen sind für drei Tage bis Donnerstag angesetzt. Da Verdi bislang mit zwei Tagen Vorlauf über neue Arbeitskampfmaßnahmen im Nahverkehr informiert hat, sind neue Arbeitskampfmaßnahmen auch am Freitag (27. März) unwahrscheinlich. Es sei denn, die für Dienstag, Mittwoch und Donnerstag geplanten Verhandlungen werden vorzeitig abgebrochen.
Signal Kompromissbereitschaft
Der kommunale Nahverkehr kam in jüngster Zeit bereits mehrfach in vielen Städten von NRW durch Warnstreiks weitgehend zum Erliegen. Auch heute seien wie geplant vielerorts Busse und Bahnen in den Depots geblieben, sagte Frew. Er signalisierte mit Blick auf die neue Verhandlungsrunde bei einem Teil der Themen Kompromissbereitschaft. "Wir sind gewillt einen tragfähigen Abschluss zu erzielen, dazu sind beide Seiten gefragt."
Heute großer Warnstreiktag
Keine Stadtbahnen und nur wenige Busse: In diversen Städten von Nordrhein-Westfalen ist der Nahverkehr am Donnerstag (19. März) weitgehend lahmgelegt. Verdi hatte in allen Regionen von NRW Beschäftigte in zahlreichen Nahverkehrsbetrieben zum Warnstreik aufgerufen. Nur die Stadtwerke Münster würden nicht bestreikt. Bereits am Dienstag (17. März) hatten Arbeitsniederlegungen des Fahrpersonals in vielen Städten zu umfangreichen Ausfällen im kommunalen Nahverkehr geführt.
Teilausfälle am Freitag möglich
Warnstreiks im kommunalen Nahverkehr können auch an diesem Freitag (20. März) in vielen Städten zu Einschränkungen bei Bus und Bahnen führen. Verdi ruft in ausgewählten Betriebshöfen von etlichen Nahverkehrsbetrieben Mitarbeiter zu Arbeitsniederlegungen auf, wie eine Sprecherin sagte.
Je nach betroffenem Standort kann es nach Einschätzung der Gewerkschaft zu Einschränkungen auf einzelnen Linien und Strecken kommen. In kleineren Unternehmen sei teilweise auch das gesamte Streckennetz betroffen.
Wo werden Betriebshöfe bestreikt?
Die Liste der Nahverkehrsbetriebe, deren Streckennetz durch den geplanten Warnstreik in bestimmten Betriebshöfen am Freitag betroffen sein könnte, umfasst rund 20 Unternehmen. Darunter befinden sich unter anderem die Stadtwerke Bonn, die KVB (Köln), die Rheinbahn (Düsseldorf), die Dortmunder Stadtwerke, die Bogestra im mittleren Ruhrgebiet und die Stadtwerke Hamm.
Welche Verkehrsalternativen gibt es?
Erfahrungsgemäß fahren zumindest einige Busse privater Subunternehmer, wenn Busse und Stadtbahnen in den Depots bleiben. S-Bahnen und Regionalzüge sind nicht vom Tarifkonflikt im Nahverkehr betroffen und können etwa in Großstädten genutzt werden, um ein großes Stück voranzukommen. Der ADAC rät zu Fahrgemeinschaften und für Kurzstrecken zum eigenen Fahrrad oder zu Sharing-Angeboten wie etwa Leihräder oder auch Elektroscooter.
Müssen Schulkinder trotzdem zur Schule?
Das NRW-Schulministerium hatte bei vorangegangenen Warnstreiks im Nahverkehr darauf hingewiesen, dass Schulpflicht besteht: "Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin."
Warum werden Verkehrsbetriebe bestreikt?
Im Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr geht es um die Arbeitsbedingungen der etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 Nahverkehrsbetrieben in NRW. In zwei Verhandlungsrunden ist bislang keine Einigung erzielt worden. Die dritte Tarifrunde beginnt am 24. März. Durch Warnstreiks ist in den vergangenen Wochen und Tagen mehrfach der Nahverkehr vielerorts lahmgelegt worden.
Arbeitszeit im Fokus
Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll außerdem von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen.
Arbeitgeber halten Forderungen für überzogen
Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi seit Wochen vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, der Nahverkehr biete bereits attraktive Arbeitsplätze.
Viele Betroffene
Die kommunalen Nahverkehrsbetriebe in NRW befördern nach einer früheren Einschätzung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen pro Tag im Durchschnitt etwa fünf Millionen Fahrgäste. Da es oft Hin- und Rückfahrten sind, könnten es etwa 2,5 Millionen tägliche Nutzer im Nahverkehr sein./vd/DP/zb
AXC0127 2026-03-19/08:20
Autor:  - dpa-AFX
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