| ROUNDUP/Rheinland-Pfalz-Wahl: Es wird einen Verlierer in der Koalition geben |
| 20.03.2026 06:35:00 |
Die Rechnung, die viele in der schwarz-roten
Koalition vor den beiden Landtagswahlen im März aufgemacht haben,
ist nicht aufgegangen. Die CDU gewinnt in Baden-Württemberg, die SPD
in Rheinland-Pfalz, und alle sind einigermaßen zufrieden - dieses
Szenario hat sich mit der krachenden Niederlage beider Berliner
Regierungsparteien in Baden-Württemberg erledigt.
Jetzt gibt es am Sonntag in Rheinland-Pfalz zwischen CDU und SPD
eine Showdown-Situation. Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen
hin, in der aktuellsten liegt die CDU mit knappen zwei Punkten vor
der SPD. Einer der Regierungspartner wird anschließend als großer
Verlierer dastehen - mit möglichen Folgen für den innerparteilichen
Frieden und die weitere Koalitionsarbeit.
Was würde eine Niederlage mit der CDU machen?
Die CDU ist in beide Wahlkämpfe mit einem satten Vorsprung gestartet
und könnte in Rheinland-Pfalz nun mit ihrem Spitzenkandidaten Gordon
Schnieder genauso wie in Baden-Württemberg knapp scheitern. Nach der
ersten der beiden Wahlen im März war die Marschroute klar: Der
Rückenwind aus Berlin sei mit der Abschaffung des Heizungsgesetzes
und des Bürgergelds sowie mit der Umsetzung des europäischen
Asylsystems da gewesen. Verantwortlich für die Niederlage machte die
CDU vor allem eine "Schmutzkampagne" der Grünen.
So wird das im Fall einer Niederlage in Rheinland-Pfalz nicht
funktionieren. Der Unmut vieler Unionisten über zu wenig CDU in der
Koalition hatte sich schon in der Rentendebatte im vergangenen
Herbst und vor dem Parteitag im Februar mit Vorschlägen des
Wirtschaftsflügels zur "Lifestyle-Teilzeit" und Zahnarztkosten Bahn
gebrochen. Wegen der Wahlkämpfe war zuletzt Ruhe angesagt. Damit
könnte es nach der Wahl vorbei sein.
Parteichef Friedrich Merz ist es bislang nicht gelungen, die Union
aus dem Umfragetief herauszuholen. Sie stagniert unterhalb ihres
Wahlergebnisses bei der Bundestagswahl vor gut einem Jahr. Und die
Beliebtheitswerte des Kanzlers und seiner Minister liegen teilweise
unterhalb derer der Ampel-Regierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD).
Eins hat Merz trotzdem ausgeschlossen - zumindest vorerst: größere
personelle Veränderungen in Regierung, Partei oder Fraktion. Auch
bei der geplanten Wiederwahl von Jens Spahn als Vorsitzender der
Bundestagsfraktion im Mai soll es nach jetzigem Stand bleiben
Was würde eine Niederlage für die SPD bedeuten?
So paradox es klingt: Ausgerechnet die für sie so katastrophale Wahl
in Baden-Württemberg macht der SPD Hoffnung für Rheinland-Pfalz.
Denn man hat den Schluss gezogen, dass nicht das Programm, sondern
der Kandidat entscheidet. In Rheinland-Pfalz ist das für die SPD der
amtierende Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Der hat solide
regiert, ist beliebt. Man setzt voll auf den "Sie kennen
mich"-Faktor, den Amtsbonus.
Die Themen dagegen, Bezahlbarkeit, Wirtschaft und Arbeit, verbinden
Wähler schon lange nicht mehr vordringlich mit der SPD. "Uns wird zu
wenig zugetraut, dass wir die Kraft sind, die am Ende wirklich die
Arbeitsplätze in Deutschland sichert", analysiert Generalsekretär
Tim Klüssendorf. Erst schob man das auf Fehler in der Kommunikation,
doch so langsam stellt man sich im Willy-Brandt-Haus die Frage, ob
es nicht am Inhalt liegt. Immerhin: Die SPD schreibt gerade an einem
neuen Grundsatzprogramm, 2027 soll es fertig sein. Dafür könnte
diese Erkenntnis noch rechtzeitig kommen.
Ob eine Niederlage in Rheinland-Pfalz personelle Konsequenzen in der
SPD-Spitze haben könnte, ist umstritten. Parteichef Lars Klingbeil
hat unter den Funktionären immer weniger Fans, von seiner
Co-Vorsitzenden Bärbel Bas hatten vor allem SPD-Linke mehr erwartet.
Beiden wirft man vor, sich bei Merz anzubiedern.
Doch wird die SPD wirklich ihren Vizekanzler und die
Arbeitsministerin schwächen? Zudem beginnt bald der Wahlkampf für
Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern. Verliert die SPD
Rheinland-Pfalz, ist Schwesig die letzte Patrone der
Sozialdemokratie - und eine führungslose Bundespartei kann sie nicht
gebrauchen. Das könnte dafür sprechen, dass die SPD weiter stillhält
- zumindest bis zum 20. September, wenn die Wahlurnen im Nordosten
schließen.
Wie geht es nach der Wahl für die Koalition weiter?
Kanzler Merz hat direkt nach der Wahl in Baden-Württemberg mit Bas
und Klingbeil telefoniert, um beide darauf einzuschwören, dass in
der Koalition nichts aus dem Ruder läuft. "Wir werden uns auch im
Verlaufe des Jahres von Landtagswahlergebnissen nicht von unserem
Weg abbringen lassen. Wir wissen, welchen Auftrag wir haben", sagte
er anschließend.
Im Grunde muss bereits am Montag nach der Wahl in Rheinland-Pfalz
die Arbeit an einem großen Paket von Sozial-, Wirtschafts- und wohl
auch Steuerreformen beginnen. Gesundheit, Pflege, Rente, längeres
Arbeiten, einen Feiertag abschaffen zur Ankurbelung der wegen des
Iran-Kriegs schon wieder ausgebremsten Wirtschaft? Union und SPD
müssen harte Entscheidungen treffen. Diese Reformen in den eigenen
Reihen und ohne allzu großen Unmut der Bevölkerung durchzusetzen,
das dürfte die bisher größte Bewährungsprobe für Schwarz-Rot sein.
In wenigen Wochen muss Klingbeil seinen Haushalt für das nächste
Jahr aufstellen, bis dahin müssen die ersten Pflöcke eingeschlagen
sein - notfalls auch in Nachtsitzungen. Wenn sich der Reformprozess
noch viel länger zieht, stehen auch schon die Wahlen in
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt vor der Tür, die
angesichts von Umfragewerten von fast 40 Prozent für die AfD die
Republik aufmischen könnten./mfi/DP/zb
AXC0045 2026-03-20/06:35
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Autor: - dpa-AFX
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