| ROUNDUP: Energielieferungen nach drei Kriegswochen massiv unter Druck |
| 20.03.2026 15:49:00 |
Die Öl- und
Gaslieferungen vom Golf werden wegen des Iran-Kriegs nach
Einschätzung von Experten noch für Monate massiv gestört sein. Der
Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih
Birol, sagte der britischen "Financial Times", der Krieg sei "die
größte Bedrohung für die globale Energiesicherheit in der
Geschichte". Politiker und Märkte unterschätzten das Ausmaß der
Ausfälle.
Es fehle jetzt doppelt so viel Gas, wie die Menge, die Europa durch
die 2022 eingestellten Lieferungen aus Russland verloren habe, so
der IEA-Chef. Es könne mehr als sechs Monate dauern, bis die Öl- und
Gaslieferungen vom Golf wiederhergestellt seien.
Die Instandsetzung massiv beschädigter Förderanlagen im katarischen
Industriegebiet Ras Laffan wird laut QatarEnergy bis zu fünf Jahre
dauern. Das teilte der Staatskonzern auf X mit. Der Iran hatte die
Anlagen als Reaktion auf israelische Angriffe auf das wichtige
Gasfeld "South Pars" attackiert.
In Kuwait sind indes nach Drohnenangriffen Teile der Ölraffinerie
Mina al-Ahmadi abgeschaltet worden. Dabei sei in einigen Anlagen der
Raffinerie Feuer ausgebrochen, berichtete die staatliche
Nachrichtenagentur unter Berufung auf die Kuwait Petroleum
Corporation (KPC).
Berlin vereinfacht Rüstungsexporte in Golfregion
Die deutsche Regierung lockerte am Freitag die Regeln für den Export
bestimmter Rüstungsgüter für eine Reihe von Golfstaaten und die
Ukraine. Dazu trat eine neue, auf sechs Monate befristete Allgemeine
Genehmigung in Kraft, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte.
Exporteure können so schnellere Ausfuhrgenehmigungen nutzen, ohne
vorher beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einen
Ausfuhrantrag stellen zu müssen. Die Regelung soll eine schnelle
Lieferung von Gütern der Luft- und maritimen Verteidigung
ermöglichen.
Damit setze die Regierung ein "Zeichen der Solidarität", sagte
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. "Die wahllosen Angriffe des
Irans auf die Golfstaaten haben zur Folge, dass dort Rüstungsgüter
vor allem zur Luftverteidigung dringend benötigt werden", betonte
die Christdemokratin.
Persisches Neujahrsfest von Krieg überschattet
In der Region überschatten die gegenseitigen Angriffe hohe
Feiertage. Mit dem Fastenbrechen Eid al-Fitr endet der heilige
Fastenmonat Ramadan und im Iran beginnt am Freitagabend das
persische Neujahrsfest. Noch am Morgen griffen Kampfflugzeuge Ziele
in Teheran an, wie Augenzeugen und staatliche Medien berichteten.
Israel bombardierte nach eigenen Angaben Stellungen der iranischen
Führung in der Gegend der Stadt Nur im Norden des Landes. Die Iraner
hofften, dass Israel und die USA ihre Luftangriffe über Neujahr
aussetzen.
Die humanitäre Lage im Land könne sich dramatisch verschlechtern,
warnte der Leiter des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), Jan
Egeland, im arabischen Fernsehsender Al Jazeera. Der Iran sei riesig
und der Bedarf wachse rasant, so der NRC-Generalsekretär. Schiffs-
und Flugverkehr seien unterbrochen, sodass lokale und internationale
Gruppen Schwierigkeiten hätten, dringend benötigte Hilfsgüter ins
Land zu bringen.
Pressesprecher der Revolutionsgarden getötet
Derweil meldeten die iranischen Revolutionsgarden den Tod ihres
Sprechers, Ali Mohammed Naini. Israels Armee bestätigte, dass dieser
in der Nacht zum Freitag bei einem Angriff der israelischen
Luftwaffe getötet wurde.
Die Garden würdigten Naini als langjährigen Kommandeur, der mehr als
vier Jahrzehnte im Dienst der islamischen Revolution gestanden habe.
Israels Militär bezeichnete ihn als "wichtigsten Propagandisten" der
Revolutionsgarden, der Terroranschläge gegen den Staat Israel
gefördert habe. Die israelische Armee erneuerte ihre Drohung, sie
werde weiterhin gegen Kommandeure und wichtige Vertreter der
iranischen Führung vorgehen.
Israel greift auch wieder in Syrien an
Israels Armee griff eigenen Angaben zufolge in der Nacht zum Freitag
nach neuer Gewalt im Nachbarland Syrien Ziele der dortigen Regierung
an. Das israelische Militär sprach von Attacken auf drusische
Zivilisten in Suwaida. Israel werde nicht zulassen, dass Syriens
Führung im Schatten des Iran-Kriegs gegen die Drusen vorgehe. "Falls
nötig, werden wir mit noch größerer Härte zuschlagen", sagte
Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben seines Büros.
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in
Großbritannien meldete am Freitag erneut Gewalt zwischen Angehörigen
der drusischen Minderheit und sunnitischen Stammesgruppen. Letztere
würden in der Region von der syrischen Führung unterstützt. Wie
viele Opfer es bei den jüngsten Angriffen und Kämpfen seit Montag
gegeben habe, sei noch unklar.
Bereits im Juli 2025 war es in Suwaida zu heftigen gewaltsamen
Auseinandersetzungen zwischen Drusen und sunnitischen Stammesgruppen
gekommen. Israel bombardierte auch damals Ziele in Syrien, um laut
eigenen Angaben die Drusen zu schützen. Seit dem 20. Juli gilt
offiziell eine Waffenruhe. Die syrische Beobachtungsstelle sprach
nun von Verstößen gegen das Abkommen./mar/DP/stk
AXC0194 2026-03-20/15:49
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Autor: - dpa-AFX
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