| Endrunde der Kommunalwahl in Frankreich: Kampf um Großstädte |
| 22.03.2026 07:52:00 |
In zahlreichen französischen Großstädten steht die
zweite und entscheidende Runde der Kommunalwahlen an. In Städten wie
Paris, Marseille und Lyon wird darüber entschieden, wer künftig das
Rathaus führen wird - und der Wahlausgang ist dabei noch sehr offen.
Ergebnisse werden ab 20 Uhr erwartet. Bis zum Ende der Auszählung
dürfte es aber dauern. Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl gilt
das Votum begrenzt auch als Stimmungstest.
Zweite Runde in mehr als 1.500 Gemeinden
Insgesamt wird in mehr als 1.500 französischen Gemeinden gewählt. In
den übrigen mehr als 33.000 zumeist kleineren Gemeinden stand
bereits nach der ersten Wahlrunde am vergangenen Sonntag ein Sieger
fest. Abgestimmt wird nun noch an den Orten, an denen keiner eine
absolute Mehrheit erreicht hat. Antreten dürfen in der zweiten Runde
all jene Listen, die mehr als zehn Prozent der Stimmen erhalten
haben.
Bei den Kommunalwahlen stimmen die Einwohnerinnen und Einwohner
Frankreichs nicht direkt für einen Bürgermeister oder eine
Bürgermeisterin. Sie wählen die Mitglieder des künftigen Rathauses,
die dann ihren Chef oder ihre Chefin wählen. Da die Liste, die vorne
landet, aber eine feste Zahl an Sitzen im Rat obendrauf bekommt,
stellt diese Liste in der Regel auch den Bürgermeister.
Wird Paris konservativ und Marseille rechtsnational geführt?
In Paris könnte es nach mehr als 25 Jahren Sozialistenherrschaft
einen Machtwechsel geben. Zwar war der Kandidat von Sozialisten,
Grünen und Kommunisten, Emmanuel Grégoire, in der ersten Runde
deutlich vorne gelandet. Mitte-Kandidat Jean-Yves Bournazel schloss
sich dann aber der Liste der Konservativen Rachida Dati an und die
Rechtsextreme Sarah Knafo zog ihre Kandidatur zugunsten von Dati
zurück. Mit der Linken Sophia Chikirou hat Grégoire zudem eine
Gegenkandidatin im eigenen Wählermilieu. Umfragen sagen einen
knappen Ausgang voraus.
Auch in Frankreichs zweitgrößter Stadt Marseille ist noch nicht
absehbar, ob der Kandidat des linken Lagers Benoît Payan
Bürgermeister bleiben kann, oder der Rechtsnationale Franck Allisio
vom Rassemblement National an ihm vorbeizieht. Für die
Rechtsnationalen wäre es ein enormer Sieg, sollten sie ihn Marseille
vorne landen und damit wohl künftig den Bürgermeister stellen.
Ebenfalls sehr umkämpft ist das ostfranzösische Lyon. Der bisherige
grüne Bürgermeister Grégory Doucet landete in der ersten Runde quasi
Kopf an Kopf mit dem Fußballmanager Jean-Michel Aulas, der für die
Konservativen und Mitte-Kräfte ins Rennen ging. Nun hat er sich mit
seiner linken Konkurrentin Anaïs Belouassa-Cherifi
zusammengeschlossen, um Aulas auszustechen.
Stimmungstest aber mit Einschränkungen
Mit Spannung wird die Kommunalwahl auch verfolgt, da die Abstimmung
ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in gewisser Weise als
Stimmungstest gilt. Allerdings lassen sich die Allermeisten bei der
Kommunalwahl von lokalen Themen leiten. Gerade in den Städten spielt
die nationale Ebene aber auch verstärkt in die Wahlentscheidung mit
rein.
Vorschnelle Schlüsse sollten aber auch deshalb nicht gezogen werden,
weil auf lokaler und nationaler Ebene teils sehr unterschiedlich
gewählt wird. Das liegt auch daran, dass einige Parteien wie die
Präsidentenpartei Renaissance oder Marine Le Pens Rassemblement
National lokal noch immer schlecht verankert sind. Nicht zuletzt
geht das renommierte Meinungsforschungsinstitut Ipsos davon aus,
dass keine Stimmen abgegeben werden, um Präsident Emmanuel Macron
und die Regierung abzustrafen, weil Macron bei der kommenden
Präsidentschaftswahl ohnehin nicht mehr antreten kann.
Wie die Parteien aus der Wahl herausgehen, wird dennoch Einfluss
darauf haben, wie schwer sie es der Regierung machen werden, ihre
Zustimmung für Gesetzesvorhaben zu erhalten. Auch für den internen
Kampf der politischen Lager um die Aufstellung zur
Präsidentschaftswahl kann die Kommunalwahl den Ton
angeben./rbo/DP/nas
AXC0009 2026-03-22/07:52
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Autor: - dpa-AFX
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