| GESAMT-ROUNDUP: SPD-Spitze will kein Chaos - Merz will keine Schnellschüsse |
| 23.03.2026 15:34:00 |
Bärbel Bas und Lars Klingbeil wollen auch nach
dem Wahl-Debakel in Rheinland-Pfalz SPD-Vorsitzende bleiben. "Wir
werden nicht die zweitgrößte Regierungspartei jetzt in ein Chaos
stürzen", sagte Vizekanzler Klingbeil in Berlin. Im Parteipräsidium
habe es am Morgen die klare Meinung gegeben, "dass in der Phase, in
der dieses Land gerade ist, bei den Herausforderungen, die das Land
zu bewältigen hat, wir nicht durch das Austauschen von Köpfen,
sondern durch einen klaren programmatischen und strategischen Kurs
jetzt die Zukunft bestimmen wollen".
Merz will nicht von "Frühjahr der Reformen" sprechen
Die SPD will ihren Kurs für die anstehenden Sozialreformen am
Freitag bei einem großen Treffen von maßgeblichen Bundes-, Landes-
und Kommunalpolitikern festlegen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
machte unterdessen klar, dass er nichts überstürzen wolle. "Wir
machen hier keine Schnellschüsse", sagte er. "Wir sind in einem
Arbeitsrhythmus und den setzen wir fort." Den Begriff "Frühjahr der
Reformen" machte er sich ausdrücklich nicht zu eigen.
Die CDU in Rheinland-Pfalz hatte am Sonntag mit ihrem
Spitzenkandidaten Gordon Schnieder überraschend deutlich gegen die
seit 35 Jahren regierende SPD gewonnen. Es ist die zweite krachende
Niederlage der Sozialdemokraten in zwei Wochen, nachdem sie in
Baden-Württemberg mit 5,5 Prozent fast aus dem Landtag geflogen
wären.
Bas: "Wir beide sind als Team angetreten"
Noch am Wahlabend hatte es aus den hinteren Reihen der SPD
Rücktrittsforderungen gegen die Parteispitze gegeben. Bas und
Klingbeil hatten betont, sich diesen Debatten stellen zu wollen.
Er habe im Präsidium eingefordert, ihm offen zu sagen, wenn jemand
glaube, er sei nicht der richtige Parteivorsitzende, sagte
Klingbeil. Bas sagte, beide Parteichefs hätten in dem Gremium nicht
ihren Rücktritt, wohl aber eine Diskussion auch über ihre Ämter
angeboten. "Wir beide sind als Team angetreten und wir pflegen ein
offenes Wort." Das Fazit sei jedoch gewesen, dass man jetzt eher
darüber sprechen müsse, wie man das Land voranbringe. "Der Punkt ist
doch, dass die strukturellen Probleme der SPD viel tiefer liegend
sind."
Führungspersonal stellt sich hinter Parteispitze
Öffentlich stellten sich unter anderem Generalsekretär Tim
Klüssendorf, Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch und
Verteidigungsminister Boris Pistorius hinter die Parteichefs. Weder
in der Partei noch in der Koalition brauche man jetzt eine
Personaldiskussion, sagte Pistorius. "Wir müssen uns auf unsere
Regierungsarbeit konzentrieren." Der Verteidigungsminister wurde
zuvor schon als möglicher Nachfolger Klingbeils auf dem Posten des
Vizekanzlers gehandelt.
Angesichts der Kriege in der Ukraine und im Iran, einer drohenden
Weltwirtschaftskrise und anstehenden harten Reform-Verhandlungen in
der schwarz-roten Regierung dürfe sich die SPD jetzt nicht um sich
selbst drehen - das ist das Narrativ, das man im Willy-Brandt-Haus
nach den Niederlagen gefunden hat.
Klingbeil kündigte eine Art Krisentreffen der Parteispitze mit der
Fraktionsspitze, den SPD-Ministerpräsidentinnen und -präsidenten,
ihren Ministerinnen und Ministern und erfolgreichen
Kommunalpolitikern an. Am Freitag wolle man gemeinsam einen klaren
Reformplan für die Verhandlungen in der Bundesregierung aufstellen.
Steuerreform soll Stimmen bringen
Klingbeil setzt dabei stark auf eine Reform der Einkommensteuer, um
den Menschen zu beweisen, dass sich die SPD nicht nur um
Bürgergeldempfänger, sondern auch den arbeitenden
Durchschnittsbürger kümmert. Eine Einkommensteuerreform müsse
Menschen mit 3.000-Euro-Verdienst spürbar entlasten - so wolle die
SPD wieder politische Erfolge nach Hause bringen.
Bas sprach die Regierungskommissionen zur Pflege, zum
Gesundheitswesen und zur Rente an. "Die SPD ist bereit, diese Reform
nach vorne zu treiben", sagte sie. Die Parteispitze scheint
sichtlich bemüht, das Bremser-Image der SPD bei Reformen
loszuwerden.
Merz sprach am Wahlabend mit SPD-Spitze
Kanzler Merz will aber nichts überstürzen. Er hat nach eigenen
Worten bereits kurz nach der Wahl in Rheinland-Pfalz am Sonntagabend
mit den SPD-Chefs über das weitere Vorgehen in der Koalition in
Berlin beraten. "Und wir haben verabredet, dass wir den Weg der
Reformen jetzt gemeinsam weitergehen."
Merz kündigte an, in den nächsten Wochen und Monaten "sehr hart"
daran arbeiten zu wollen, Dinge auf den Weg zu bringen. Er sprach
aber auch von einer schwierigen Lage. "Wir stehen vor einer
wirklichen Kraftanstrengung, unser Land wieder auf Kurs zu bringen,
und wenn wir uns alle gemeinsam darum wirklich nach allen Kräften
bemühen, die wir haben, dann kann uns das gelingen", sagte er. Das
setze voraus, dass man in der Koalition zu einer gemeinsamen
Strategie komme./mfi/tam/DP/jha
AXC0207 2026-03-23/15:34
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Autor: - dpa-AFX
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