| ROUNDUP/Reederverband: Risiko von Beschuss im Golf ist real |
| 23.03.2026 16:10:00 |
Wegen des Iran-Kriegs ist der Verband deutscher
Reeder (VDR) in großer Sorge ob der Sicherheit der
Handelsschifffahrt im Persischen Golf. Seit Beginn des Kriegs Ende
Februar sitzen in der Region mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund
20.000 Seeleuten fest, wie VDR-Präsidentin Gaby Bornheim in Hamburg
sagte. Darunter seien mindestens 50 Schiffe von zehn deutschen
Reedereien mit etwa 1.000 Seeleuten an Bord. Rund 20 Handelsschiffe
seien bereits attackiert worden. "Es hat Verletzte und Tote
gegeben."
Kröger: "Das Risiko beschossen zu werden, ist real"
Die vor allem für den Öltransport wichtige Straße von Hormus sei
faktisch gesperrt. "Die iranischen Streitkräfte haben sehr schnell
nach Ausbruch der kriegerischen Handlungen die Schiffe direkt
angesprochen und ihnen gedroht, sie in Brand zu setzen, wenn sie die
Straße von Hormus passieren", sagte Bornheim. Im Roten Meer habe es
vor Beginn des Iran-Kriegs eine leichte Verbesserung gegeben,
einzelne Linienreedereien wagten wieder die Passage durch den
Suezkanal. Das könne sich aber schnell wieder ändern. "Im Moment
sind wir alle sehr angespannt und müssen damit rechnen, dass es auch
da weitere Angriffe geben wird", sagte Bornheim mit Blick auf die
Huthi-Rebellen.
VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger verwies auf weitere für die
Handelsschifffahrt gefährliche Krisenherde, nannte etwa das südliche
und östliche Mittelmeer, das Schwarze Meer und die Straße von
Taiwan. "Und das Südchinesische Meer ist auch nicht gerade eine
entspannte Seeregion." Selbst die Ostsee bereite der
Handelsschifffahrt Probleme, weil die Navigationsgeräte,
insbesondere das GPS-Signal, immer wieder gestört würden. "Ich
denke, wir wissen alle, aus welcher Richtung das wohl zu verorten
ist", sagte Kröger, ohne Russland und seinen Präsidenten Wladimir
Putin beim Namen zu nennen.
Versorgungslage der Seeleute an Bord ist gut
Die Versorgungslage der Seeleute an Bord der Schiffe im Persischen
Golf bezeichnete Kröger als gut. Die Schiffe hätten Proviant für
rund vier Wochen an Bord und es gebe auch die Möglichkeit zur
Versorgung von Land. Aber: "Das Risiko beschossen zu werden, ist
real." Verlassen könnten die Crews ihre Schiffe nicht, da diese
nicht einfach wie ein Auto geparkt werden könnten. Die Schiffe seien
in Betrieb und müssten überwacht und betreut werden. Kröger sagte,
die Arbeiten erfolgten wegen der Gefahren aber vor allem unter Deck.
Die deutsche Handelsflotte umfasste im vergangenen Jahr 1.716
Schiffe, minimal weniger als im Jahr zuvor, wie Bornheim sagte. Zum
Vergleich: Die USA verfügten nur über rund 80 hochseetaugliche
Handelsschiffe im internationalen Verkehr, wollten dies aber ändern.
Deutschland habe damit die siebtgrößte Handelsflotte der Welt. Davor
liegen Griechenland, China, Singapur, Japan, Hongkong und Südkorea.
Deutschland bei Containerschifffahrt weltweit auf Platz zwei
Bei den Containerschiffen liegt Deutschland den Angaben zufolge im
weltweiten Vergleich auf Platz zwei und damit vor China, aber hinter
der Schweiz. Dass die Schweiz ohne jeden Zugang zu einem Meer ganz
oben auf dem Treppchen steht, liegt allein an der weltgrößten
Reederei MSC, die ihren Sitz in Genf hat. Die Zahl der deutschen
Reedereien bezifferte der VDR auf 287, wobei mehr als 80 Prozent
über weniger als zehn Schiffe verfügten.
Mit Blick auf die Debatte um eine Wehrpflicht und eine bessere
Absicherung des deutschen Außenhandels - 60 Prozent der deutschen
Im- und Exporte erfolgen über den Seeweg - machte der VDR der
Politik das Angebot eines einjährigen, freiwilligen Seediensts auf
deutschen Handelsschiffen. Das könnte für jene eine Alternative
sein, die nicht zur Waffe greifen, aber dennoch dem Land dienen
wollten.
Freiwilliger Seedienst für maritime Personalreserve
Dieser Dienst könnte auch zum Aufbau einer maritimen Personalreserve
dienen, "was natürlich enorm wichtig ist, denn in einem Kriegsfall
muss man damit rechnen, dass ausländisches Personal entweder nicht
da ist, um unsere Schiffe zu bewegen, oder auch gar nicht gewollt
ist", erklärte der Verband. Dann sei es sehr gut, "wenn man hier
schon eine Reserve hat, die schon mal auf einem Schiff gewesen ist,
die gewisse nautische und technische Fähigkeiten erlernt hat".
Das habe es schon mal in der Zeit des Kalten Kriegs gegeben, sagte
Kröger. "Damals wurden aktive Seeleute unabkömmlich gestellt,
mussten also nicht zum Militär, sondern konnten ihren Dienst auf den
Schiffen weiter leisten." Aus Krögers Sicht sollte der Dienst den
jungen Leuten bei der Ausbildung angerechnet werden. Sollte es zu
einer allgemeinen Wehrpflicht kommen, sollte der Seedienst als
Ersatzdienst anerkannt werden, schlug Kröger vor.
Krisenherde kontraproduktiv für Nachwuchsgewinnung
Besorgt zeigte sich Bornheim bei der Rekrutierung von Nachwuchs für
die Seefahrt. In den vergangenen Jahren sei zwar viel erreicht
worden. Allein im vergangenen Jahr seien 537 Neueinsteiger
registriert worden. "Das ist ein Plus von knapp 30 Prozent und
zugleich der höchste Wert seit 2012." Doch die aktuelle Lage auf den
Weltmeeren sei ausgesprochen kontraproduktiv. Keiner der Seeleute
habe jemals angekreuzt, in Kriegsgebiete fahren zu wollen, sagte
Bornheim. Und "wie will ich heute junge Leute für die
Handelsschifffahrt begeistern, wenn ich gleichzeitig deutsche
Schiffe im Persischen Golf liegen habe?"/klm/DP/men
AXC0213 2026-03-23/16:10
|
Autor: - dpa-AFX
|
| Copyright dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von dpa-AFX ist nicht gestattet. |
|
|
| DAX | 22.653,86 | 273,67 | 1,22% |
| TecDax | 3.435,36 | 15,18 | 0,44% |
| MDAX | 28.229,36 | 433,08 | 1,56% |
| Dow Jones (EOD) | 46.208,47 | 631,00 | 1,38% |
| Nasdaq 100 | 24.188,59 | 290,44 | 1,22% |
| S & P 500 (EOD) | 6.581,00 | 74,52 | 1,15% |
| SMI | 12.389,68 | 68,69 | 0,56% |
|
| EUR/US$ | 1,1583 | -0,00 | -0,26% |
| EUR/Yen | 183,7408 | -0,24 | -0,13% |
| EUR/CHF | 0,9133 | 0,00 | 0,01% |
| EUR/Brit. Pfund | 0,8645 | -0,00 | -0,04% |
| Yen/US$ | 0,0063 | 0,00 | -0,10% |
| CHF/US$ | 1,2683 | -0,00 | -0,23% |
|
| baha Brent Indication | 101,37 | -9,34 | -8,43% |
| Gold | 4.464,08 | -101,44 | -2,22% |
| Silber | 67,29 | -4,93 | -6,82% |
| Platin | 1.889,63 | -96,71 | -4,87% |
| |
|
|