| ROUNDUP/Hubertz: Iran-Krieg macht Bauen in Deutschland teurer |
| 26.03.2026 15:10:00 |
Der Iran-Krieg könnte aus Sicht von Bauministerin
Verena Hubertz die Wohnungskrise in Deutschland verschärfen. Wenn
Katar die Produktion von Flüssiggas einstelle und die Straße von
Hormus geschlossen sei, bleibe das nicht ohne Folgen für die Preise
von Baustoffen, erklärte die SPD-Politikerin zum Wohnungsbau-Tag in
Berlin. "Das bedeutet auch: Der Aufschwung beim Wohnungsbau, der
sich gerade angedeutet hatte, wird erneut unter Druck kommen."
Dieses Jahr werden wohl weniger als 200.000 Wohnungen fertig,
schätzt das Bündnis von sieben Verbänden und Gewerkschaften, das den
Wohnungsbau-Tag organisiert. Das wären nur etwa die Hälfte des
angenommenen Bedarfs und gut 100.000 Einheiten weniger als noch
2020. Auch das Bündnis warnte, der Iran-Krieg könnte neben höheren
Baukosten steigende Zinsen bringen. Als Lösung sieht die Branche
billigeres Bauen mit vereinfachten Standards - den sogenannten
"Gebäude-Typ E", den auch Hubertz in Planung hat.
Das Problem
Weil es zu wenig neues Angebot gebe, sei der Wohnungsmarkt
eingefroren: "Wer umzieht, hat verloren", erklärte das Bündnis. Wer
im Alter statt einer großen eine kleinere Wohnung wolle, zahle
drauf. Familien mit Kindern fänden hingegen keine ausreichend große
Bleibe.
"Fast jedes fünfte Kind in Deutschland wächst in einer zu kleinen
Wohnung auf", heißt es in einer Studie, die beim Wohnungsbau-Tag
vorgestellt wurde. Insgesamt hätten 9,9 Millionen Menschen nach
EU-Definition zu wenig Platz in ihrem Zuhause.
Wolfgang Schubert-Raab vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes
erinnerte daran, dass lahmender Wohnungsbau die Konjunktur dämpfe.
Die Branche erwirtschafte 530 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung
pro Jahr. "Es ist eine Wirtschaftslokomotive, und sie darf nicht
stillstehen", sagte der ZDB-Präsident. Noch im Jahr 2020 waren
306.000 Wohnungen fertig geworden, 2024 immerhin noch gut 250.000.
Die Forderungen
Die Lösung aus Sicht des Wohnungsbau-Bündnisses: einfacher und damit
schneller bauen. Der sogenannte Gebäude-Typ E ist schon länger im
Gespräch und wird in Pilotprojekten in mehreren Bundesländern
erprobt. Dabei geht es darum, nur die gesetzlichen Standards
einzuhalten und nicht das, was bautechnisch möglich oder inzwischen
üblich ist. Beispiele sind Schallschutz, Zahl der Steckdosen oder
Stellplätze.
"So könnten die durchschnittlichen Kosten im Wohnungsbau von rund
4.650 Euro pro Quadratmeter auf etwa 3.500 Euro gesenkt werden",
sagte der Chef der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt, Robert
Feiger, der Deutschen Presse-Agentur.
Angesichts steigender Bauzinsen forderte Feiger zudem: "Ankurbeln
lässt sich der Wohnungsbau ganz kurzfristig über reduzierte Zinsen.
Konkret fordern wir ein Förderprogramm der KfW, das die Bauzinsen
auf maximal ein Prozent senkt." Profitieren sollten davon
Sozialwohnungen oder Quartiere mit einer Mietpreisbindung von 8 bis
12 Euro je Quadratmeter. Das Baubündnis drängt Bund und Länder,
jährlich 100.000 neue Sozialwohnungen zu fördern. Insgesamt solle
schneller geplant und genehmigt werden.
Politische Antworten der Regierung...
Bauministerin Hubertz sagte zu, dass sie gemeinsam mit
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) in diesem Jahr ein Gesetz zum
Gebäudetyp E auf den Weg bringen werde. In Deutschland werde nach
einem zu hohen Standard gebaut. "Wir brauchen keinen Klimbim an
jeder Ecke", erklärte die SPD-Politikerin laut Redetext.
Sie erinnerte auch an den sogenannten Bauturbo, der Genehmigungen
auf kommunaler Ebene beschleunigen soll. Auf Dauer soll auch das von
Hubertz geplante "Upgrade" des Baugesetzbuches dazu beitragen. "Wir
beschleunigen Prozesse, schaffen Transparenz und neue Instrumente",
meinte sie.
Hubertz warb für die Idee von Vizekanzler Lars Klingbeil einer
bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft. Damit könnte der Bund künftig
selbst in großem Stil bezahlbare Wohnungen dort bauen, wo sie am
dringendsten benötigt würden. Allerdings wäre zur Umsetzung eine
Grundgesetzänderung nötig, räumte sie ein. Die Wohnungsbaubranche
sieht die Idee skeptisch.
... und der Opposition
Linken-Chef Jan van Aken signalisierte hingegen Unterstützung für
den Vorschlag der staatlichen Wohnungsbaugesellschaft. "Wenn er im
Detail stimmt, sind wir mit dabei", sagte van Aken beim
Wohnungsbau-Tag. Kommunaler und gemeinnütziger Wohnungsbau könne
dafür sorgen, dass Mieten bezahlbar blieben.
Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak warnte davor, einen Gegensatz
zwischen Wohnungsbau und Naturschutz zu betonen. Er sei aber
Pragmatiker und bereit über Regeln zu reden, die sich nicht bewährt
hätten, sagte Banaszak./vsr/DP/men
AXC0337 2026-03-26/15:10
|
Autor: - dpa-AFX
|
| Copyright dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von dpa-AFX ist nicht gestattet. |
|
|
| DAX | 22.612,97 | -344,11 | -1,50% |
| TecDax | 3.423,19 | -54,33 | -1,56% |
| MDAX | 28.264,78 | -556,54 | -1,93% |
| Dow Jones (EOD) | 46.429,49 | 305,43 | 0,66% |
| Nasdaq 100 | 23.687,19 | -475,78 | -1,97% |
| S & P 500 (EOD) | 6.591,90 | 35,53 | 0,54% |
| SMI | 12.641,96 | -76,40 | -0,60% |
|
| EUR/US$ | 1,1528 | -0,00 | -0,27% |
| EUR/Yen | 184,2118 | -0,13 | -0,07% |
| EUR/CHF | 0,9168 | 0,00 | 0,18% |
| EUR/Brit. Pfund | 0,8652 | 0,00 | 0,04% |
| Yen/US$ | 0,0063 | 0,00 | -0,26% |
| CHF/US$ | 1,2574 | -0,01 | -0,47% |
|
| baha Brent Indication | 105,97 | 2,95 | 2,87% |
| Gold | 4.465,63 | -101,17 | -2,22% |
| Silber | 67,30 | -5,90 | -8,06% |
| Platin | 1.873,39 | -82,37 | -4,21% |
| |
|
|