| WDH/ROUNDUP 2: Spagat in China - Neues BASF-Werk in Südchina eröffnet |
| 26.03.2026 15:24:00 |
(Wort ersetzt im 3. Absatz, 1. Satz: "haben" statt "erheben". Sowie
im 6. Absatz, 1. Satz überflüssiges Wort gestrichen)
ZHANJIANG (dpa-AFX) - An Klebebändern, in Babywindeln oder über den
"Neu-Duft" im Auto: Die Produkte von BASF begegnen
einem im Alltag ständig. In Zhanjiang in Südchina eröffnete
Deutschlands Chemieriese nun einen milliardenschweren
Verbundstandort - mit dem der Konzern inmitten globaler Krisen und
einer wirtschaftlich schwierigen Weltlage seinen Fußabdruck in
Chinas aussichtsreichen Wachstumsmarkt vergrößern will.
"In einer Welt, die immer geteilter wird, zeigt der
Zhanjiang-Standort etwas Wichtiges: Globale Zusammenarbeit bringt
die besten Ergebnisse", sagte BASF-Vorstandschef Markus Kamieth zur
Eröffnung vor Regierungsvertretern. Durch den Iran-Krieg seien in
Asien bereits "Preiseffekte" und eine Verknappung zu sehen, erklärte
er anschließend vor Journalisten.
In der weltweit stark fragmentierten Petrochemie-Branche haben die
Ludwigshafener nach eigenen Angaben einen Marktanteil von einem bis
zwei Prozent. In China, wo 14 Prozent des BASF-Umsatzes
erwirtschaftet werden, sehen die Deutschen noch Luft nach oben.
Mit 8,7 Milliarden Euro ist das Werk in Zhanjiang, einer Küstenstadt
mit rund sieben Millionen Einwohnern, die bislang größte
Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens. Rund eine
Milliarde Euro kostete allein der sogenannte Steam Cracker, das
Herzstück des Werks. Fast sechs Jahre dauerte der Bau.
Warum BASF in China größer werden will
In China erhält BASF so einen zweiten Verbundstandort nach jenem in
Nanjing in Ostchina, wo der Chemiemarkt des Landes am größten ist.
Dort arbeiten die Deutschen in einem Gemeinschaftsunternehmen mit
dem staatlichen Ölriesen Sinopec. Mit dem allein verwalteten Werk in
Zhanjiang visiert BASF den unterversorgten Chemiemarkt in Südchina
und Kunden in der wirtschaftsstarken Provinz Guangdong an.
Produziert wird dort bereits seit November.
Attraktiv macht die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, dass bis
2035 ein starkes Wachstum erwartet wird - mit einer größer werdenden
Mittelschicht und steigenden Einkommen. In China liegt mehr als die
Hälfte des weltweiten Chemiebedarfs. Derzeit ist BASF in dem schnell
wachsenden Markt jedoch unterrepräsentiert.
Welche Hürden in China bestehen
Der Markt in der Volksrepublik, in dem deutsche Firmen über
Jahrzehnte sehr gute Geschäfte gemacht hatten, ist jedoch
schwieriger geworden. Grund sind die schwache Nachfrage und ein
Überangebot, die harte Preiskämpfe und Rabattschlachten in vielen
Branchen wie der Auto-, Stahl- oder Solarindustrie zur Folge haben
und auf die Gewinne der Unternehmen drücken.
Kamieth räumte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ein,
dass sich die Investition in Zhanjiang für BASF später als geplant
lohnen werde. Vor Ort erklärte er zudem, Peking habe die
Konsumschwäche und Überkapazitäten als Problem erkannt. "Man darf
aber keine schnellen und sehr starken Reaktionen erwarten, sondern
es wird eher über die Zeit zu einer Normalisierung kommen und dann
hoffentlich auch zu einer Stärkung der Binnenwirtschaft", sagte er.
Folgen für den Standort Deutschland?
Vor der Eröffnung des Projekts, das 2018 unter der in China
geschätzten Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingetütet wurde,
stand das Werk in Zhanjiang bereits in der Kritik. Sorgen vor einer
Verlagerung der Produktion von Europa nach China machten sich breit.
Kostendruck und ein Sparkurs sorgten bereits dafür, dass der Konzern
Tausende Jobs abbaute, darunter auch in Deutschland.
Kamieth entgegnet, es würde sich nicht lohnen, eine Anlage in China
zu betreiben, um Produkte von dort nach Europa zu bringen. "Das
macht einfach keinen Sinn für uns", erklärte er. Das Werk in
Zhanjiang wurde ihm zufolge für den chinesischen Markt gebaut, wo es
auch wettbewerbsfähig ist - jedoch nicht für Europa.
Kritiker fürchten zudem eine Abhängigkeit von einem Land wie China.
Der Vorstandschef hält dagegen. "Stellen Sie sich vor, wie eine BASF
ohne die Hälfte des Weltmarktes China aussehen würde", sagte
Kamieth. Das Abkoppeln vom chinesischen Markt sei das viel größere
Risiko.
Peking werden Menschenrechtsverletzungen wie in Xinjiang
vorgeworfen. Dort hatte BASF Anteile an zwei Joint Ventures
verkauft, nachdem Berichte auf Aktivitäten beim Partner hingewiesen
hatten, "die nicht mit den Werten von BASF vereinbar sind", wie es
hieß. China sei zwar ein autokratischer Staat, aber es sei
vertretbar dort zu sein, weil BASF seine Werte dafür nicht
"kompromittieren" müsse, sagte Kamieth. Auf den Xinjiang-Fall
verwies er aber als Ausnahme.
Was am BASF-Standort Zhanjiang besonders ist
Auch Chinas Machtanspruch auf das unabhängig regierte Taiwan
bereitet Sorgen vor einem Konflikt in der Taiwanstraße, der eine der
global wichtigsten Schifffahrtsrouten unterbrechen und der
Weltwirtschaft massiv schaden würde. Ein Vorgeschmack bietet derzeit
der Krieg im Nahen Osten, durch den laut Kamieth in Asien steigende
Preise und Versorgungsprobleme mit Rohstoffen auftreten.
Für das Werk in Zhanjiang und seine rund 2.000 Mitarbeiter könnte
das bedeuten, im Krisenfall Rohstoffe über andere Wege beziehen zu
müssen. Flexibilität an dem weltweit drittgrößten Verbundstandort
von BASF soll der eigene Tiefseehafen garantieren, über den
Rohstoffe das Werk erreichen. Von dort in den Weltmarkt zu
exportieren, planen die Deutschen nicht.
Durch 100 Prozent grünen Strom ist der CO2-Fußabdruck des
Zhanjiang-Werks nach Konzernangaben nur etwa halb so groß wie bei
anderen Verbundstandorten. Rund eine Million Tonnen
Kohlenstoffdioxid fallen dann noch in der Produktion an, etwa durch
den "Steam Cracker". Dieser bricht (Englisch: to crack) unter extrem
heißem Dampf (Englisch: Steam) Rohbenzin (Naphtha) oder Butangas in
kleine Moleküle. Daraus erzeugt BASF dann weitere
Produkte./jon/DP/jha/
ISIN DE000BASF111
AXC0347 2026-03-26/15:24
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Autor: - dpa-AFX
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