| ROUNDUP/Führerschein, D-Ticket: Die Ergebnisse der Ministerkonferenz |
| 26.03.2026 15:46:00 |
Fortschritte bei der Führerschein-Reform und ein
neues Preissystem beim Deutschlandticket: Das sind wesentliche
Ergebnisse der Verkehrsministerkonferenz (VMK) in Lindau am Bodensee
in Bayern. Beim besseren Schutz von Bahn-Mitarbeiten wurde eine
zentrale Forderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft nicht
aufgenommen, nämlich eine generelle Doppelbesetzung mit
Zugbegleiterinnen und -begleitern. Die Länder forderten den Bund
außerdem zu deutlich mehr Geld auf, damit künftig nicht weniger
Busse und Bahnen im Regionalverkehr unterwegs sind.
Führerschein-Reform
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder setzt auf eine Umsetzung
der Führerschein-Reform zum nächsten Jahreswechsel. Sein Ziel sei
es, noch in diesem Jahr das Gesetzgebungsverfahren beenden zu können
und eine Umsetzung der Neuregelung dann zum 1. Januar 2027
hinzubekommen, sagte der CDU-Politiker.
Die VMK begrüßte die Inhalte der Reformpläne. "Unser gemeinsames
Ziel ist ein günstiger Preis", sagte Bayerns Verkehrsminister
Christian Bernreiter (CSU) als VMK-Vorsitzender. Angesichts der
derzeit niedrigen Anmeldezahlen in Fahrschulen gebe es eine
besondere Eilbedürftigkeit zur Umsetzung der Führerscheinnovelle.
Seit der Ankündigung der Reform verzögern viele potenzielle
Fahrschüler aus Kostengründen ihre Ausbildung.
Die Länder lobten in ihrem Beschluss insbesondere die Absicht, die
Zahl der vorgeschriebenen Sonderfahrten von derzeit 12 auf
mindestens drei zu reduzieren. "Die konkrete Ausgestaltung soll
dabei in das Ermessen der Fahrschule gestellt werden", heißt es in
einem Papier. Theorieunterricht solle künftig sowohl in Präsenz als
auch im hybriden Unterricht und auch rein digital angeboten werden,
sagte Schnieder. Auch solle der Fragenkatalog um etwa 30 Prozent
reduziert werden. Die "Laienausbildung", also etwa durch Eltern an
ihre Kinder, bleibt umstritten. Schnieder sagte, sie solle durch
eine Experimentierklausel in der Neuregelung berücksichtigt werden.
Deutschlandticket
Die Verkehrsminister beschlossen einen Preisindex für das
Deutschlandticket im Nah- und Regionalverkehr vom kommenden Jahr an.
Wie hoch der Preis 2027 ist, soll spätestens Ende September
feststehen. Bernreiter sagte, er glaube, er könne Entwarnung geben,
dass es keine Erhöhung um eine zweistellige Prozentzahl gebe. Zum
Jahresbeginn war der Preis des bundesweit gültigen
Deutschlandtickets auf 63 Euro im Monat gestiegen.
Die saarländische Verkehrsministerin Petra Berg (SPD) sagte, der
Preis werde attraktiv bleiben. Bernreiter betonte, der Preis werde
nicht mehr politisch festgesetzt. Darüber hatte es wiederholt Streit
gegeben.
Die Berechnung des Ticketpreises erfolgt künftig nach einer
komplizierten Formel. Ein Kostenindex enthält Personal-, Energie-
und allgemeine Kosten. Dazu kommt unter anderem ab 2028 ein
Dämpfungsfaktor, der höhere Verkaufszahlen beim Ticket
berücksichtigen soll. Dieser Faktor könnte den Preisanstieg des
Tickets eindämmen.
Schutz von Bahn-Mitarbeitern
Die Verkehrsminister und -ministerinnen der Länder sind gegen
"starre bundesweite Vorgaben", was die personelle Besetzung in Zügen
und an Bahnhöfen angeht. Eine generelle Doppelbesetzung mit
Zugbegleiterinnen und -begleitern werde nicht angestrebt, heißt es
in einem entsprechenden Beschluss. Die Personalstärke solle
"regional und bedarfsorientiert" erfolgen.
Damit nahm die VMK eine zentrale Forderung der Eisenbahn- und
Verkehrsgewerkschaft nicht auf. Die Gewerkschaft pocht nach dem
tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in einem Regionalzug Anfang
Februar darauf, dass Zugbegleiter zur eigenen Sicherheit künftig
überall in doppelter Besetzung unterwegs sein sollen.
Der EVG-Vorsitzende Martin Burkert reagierte enttäuscht: "Mit diesem
halbgaren Beschluss entziehen sich die Verkehrsminister ihrer
Verantwortung und kapitulieren vor der eskalierenden Gewalt."
Nach dem Angriff hatte die Bahn einige Sicherheitsmaßnahmen auf den
Weg gebracht, darunter etwa sogenannte Bodycams auf freiwilliger
Basis für alle Kundenbetreuer in den Zügen und an Bahnhöfen, also
Kameras an der Dienstkleidung.
Länder fordern mehr Geld
Aus Sicht der Länder sind rund 14 Milliarden Euro zusätzlich bis
2031 notwendig, damit künftig nicht weniger Busse und Bahnen im
Regionalverkehr unterwegs sind. Dieses Geld müsse der Bund über die
sogenannten Regionalisierungsmittel zusätzlich zur Verfügung
stellen: "Wenn die Regionalisierungsmittel nicht erhöht werden,
müssten Züge in erheblichem Umfang abbestellt werden."
Zuständig für den Regionalverkehr sind die Bundesländer. Vom Bund
erhalten sie dafür pro Jahr derzeit rund 12 Milliarden Euro an
Regionalisierungsmitteln. Diese Mittel erhöhen sich jährlich um 3
Prozent. Aufgrund stark gestiegener Kosten reicht das Geld aus Sicht
der Länder und der Verkehrsverbünde nicht aus. Die Länder verweisen
auch auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs - dieser hatte
entschieden, dass die deutsche Regelung zum Preisdeckel für die
Schienennutzung im Nahverkehr nicht mit europäischem Recht vereinbar
ist. Verkehrsunternehmen drohen nun in großem Umfang Mehrkosten.
Schnieder sagte, der Bund plane eine Reform der Trassenpreise, die
2027 umgesetzt werden soll.
Spritpreis
Eine Mehrheit der Länder-Verkehrsminister sprach sich wegen des
starken Anstiegs der Spritpreise für eine "Übergewinnsteuer" aus -
dies solle der Bund fordern. Dabei geht es um eine Art Extra-Steuer
auf kriegsbedingte Profite. Ob die Bundesregierung dies macht, ist
fraglich. Der Bundestag beschloss ein erstes Maßnahmenpaket. So
dürfen Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag, um 12.00 Uhr, die
Preise erhöhen. Politiker der schwarz-roten Koalition aber machten
deutlich, dies reiche nicht aus./maa/hoe/had/ctt/DP/men
AXC0354 2026-03-26/15:46
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Autor: - dpa-AFX
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