| ROUNDUP/Isar Aerospace: Norwegischer Fischer stoppt deutsche Rakete |
| 26.03.2026 16:36:00 |
Der von Raumfahrt- und Rüstungsindustrie
mit Spannung erwartete zweite Testflug einer deutschen
Weltraumrakete in Norwegen ist an einem norwegischen Fischer
gescheitert. Skipper Olafur Einarsson räumte in der Zeitung "Kyst og
Fjord" (Küste und Fjord) ein, dass er mit seinem Boot die maritime
Sicherheitszone um den Weltraumbahnhof Andøya nicht rechtzeitig
verlassen hatte. Deswegen war der Start am Mittwochabend um 21:21
Uhr abgebrochen worden.
"Wir hatten grundsätzlich einen Startversuch, der super lief", sagte
Isar-Aerospace-Vorstandschef Daniel Metzler der Deutschen
Presse-Agentur. "Kurz vor dem Start hat sich ein unautorisiertes
Boot in die Sicherheitszone begeben, so dass wir den Countdown
anhalten mussten." Das Zeitfenster für den Start war nach Metzlers
Worten nur 15 Minuten lang. "Es ist sehr schade für uns und für
unsere Kunden." Das in Ottobrunn vor den Toren Münchens ansässige
Unternehmen ist nun dabei, den nächsten möglichen Starttermin zu
klären. "Das Wetter in den nächsten Tagen sieht eher nicht so gut
aus", saget Metzler.
Countdown musste angehalten werden
Fischer Einarsson bestritt in dem Gespräch mit der Zeitung eine
absichtliche Sabotage des Starts: "Wir wollten eigentlich etwas
früher fertig sein, aber wir hatten Probleme mit der Strömung und
ein Durcheinander mit dem Fanggerät.". Der Zeitung zufolge soll
Einarsson bereits in der Vergangenheit eine Militärübung in der
Gegend gestört haben, der Fischer weist jedoch böse Absichten
zurück. Isar Aerospace behält sich mögliche Schadenersatzansprüche
vor: "Das sind Themen, die wir prüfen", sagte Vorstandschef Metzler
dazu.
Fischer fürchten um ihre Fanggründe
Im Hintergrund schwelt ein Konflikt der ortsansässigen Bevölkerung
mit dem Weltraumbahnhof. Andøya ist eine nördlich der Lofoten
gelegene große Insel, Einarsson fürchtet Einschränkungen bei der
Nutzung ihrer Fanggründe. "Für uns Fischer ist das hier unser
Arbeitsplatz, und dann kommen sie her und wollen dasselbe Gebiet
nutzen", sagte Einarsson der Zeitung. "Man könnte sagen, wir haben
einen schlechten Nachbarn bekommen." Isar Aerospace sucht nach
Angaben des Unternehmens aktiv das Gespräch mit den örtlichen
Fischern, die Lokalbevölkerung stehe dem Projekt positiv gegenüber.
Auf der Rakete ruhen große Hoffnungen
Auf der "Spectrum" getauften Rakete ruhen große Hoffnungen. Sie soll
nach der Serienreife zivile und militärische Satelliten in erdnahe
Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen.
Nach Worten von Isar Aerospace-Chef Daniel Metzler ist das
Unternehmen jetzt schon bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die
Rakete nicht serienreif ist. Wie wichtig das erst 2018 gegründete
Jungunternehmen auch für die deutsche Politik ist, zeigte
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der das Gelände in Andøya am 13.
März gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støhre
besuchte.
Europa im Hintertreffen
Grund des großen Interesses ist die derzeitige weitgehende
Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu
schießen. Seit langem wird die große Mehrheit der europäischen
Satelliten von Space X ins All befördert. Nach Worten Metzlers
starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, der Rest der Welt
124, Europa lediglich acht.
Wäre alles glatt gegangen, hätte die "Spectrum"-Rakete nach drei bis
vier Minuten eine Höhe von 100 Kilometern über dem Erdboden erreicht
und nach acht Minuten im vorgesehenen Orbit mit einer
Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern./cho/DP/men
AXC0369 2026-03-26/16:36
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Autor: - dpa-AFX
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