| AKTIE IM FOKUS: Gerresheimer deutlich erholt - Unterstützung durch Kreditgeber |
| 16.04.2026 16:42:00 |
Eine Einigung zwischen Gerresheimer
und dessen Kreditgeber auf eine Fristverlängerung für
den testierten Jahres- und Konzernabschluss 2025 hat die Aktie des
Spezialverpackungsherstellers am Donnerstag steil auf Erholungskurs
geschickt. Mit Leichtigkeit überwand sie die Marke von 20 Euro und
zeitweise auch die von 21 Euro. Am Nachmittag legte sie noch um 17,7
Prozent auf 20,84 Euro zu und war damit zurück auf dem Stand von
Ende März.
Analyst James Vane-Tempest von Jefferies verwies neben der Einigung
mit den Kreditgebern zudem auf die vorankommende, geplante
Veräußerung der US-Tochter Centor, deren Abschluss noch vor
Jahresende erfolgen könnte. "Das Interesse ist groß, und es gibt
eine zweistellige Anzahl an Interessenten", schrieb er. Außerdem
habe das Management bekräftigt, dass die Entwicklung im
Geschäftsjahr 2026 den Erwartungen entspreche und das Auftragsniveau
solide sei.
Bernstein-Expertin Delphine Le Louet sprach angesichts der
Neuigkeiten bei Gerresheimer von einer "kleinen Erleichterung", da
"die Entscheidungen des aktuellen Managements richtig sind und den
Gläubigern eine gewisse Transparenz bieten, die eine Insolvenz
verhindern könnte".
Die Sorgen rund um Gerresheimer sind groß, denn
Bilanzunstimmigkeiten erschüttern seit geraumer Zeit. Nachdem im
März erneut der Jahresabschluss 2025 verschoben wurde und nun im
Juni veröffentlicht werden soll, folgte in der vergangenen Woche der
Rauswurf aus dem Kleinwerte-Index SDax . In diesen war
die Aktie im Dezember aus dem MDax der mittelgroßen
Unternehmen abgestiegen.
Unter dem neuen, seit November eingesetzten Vorstandschef Uwe
Röhrhoff war im Februar die erste Verschiebung des Jahresabschlusses
angekündigt worden. Zudem wurde eine zweite
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Klärung der Bilanzprobleme
beauftragt.
In den Blick der deutschen Finanzaufsicht BaFin war der Konzern im
Herbst 2025 geraten. Doch schon vorher kam er aus den negativen
Schlagzeilen kaum heraus. 2023 noch auf ein Rekordhoch bei knapp
unter 123 Euro geklettert, ging es für die Aktie seither beständig
abwärts.
Im Herbst 2024 hatte eine heftige Gewinnwarnung für 2024 und auch
2025 die Anleger in die Flucht geschlagen und im Juni 2025 kam eine
weitere hinzu. Analysten bemängelten die Transparenz des
Unternehmens und sprachen von Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des
Managements unter dem damaligen Vorstandschef Dietmar Siemssen.
Weitere Sorgen kamen mit dem wichtigen Gerresheimer-Kunden Novo
Nordisk Ende 2024 hinzu. Vor zwölf Monaten verflog
schließlich auch noch die Übernahmefantasie, die der Aktie eine Zeit
lang davor etwas Auftrieb gegeben hatte.
Für Bernstein-Analystin Le Louet ist klar: Die Probleme für
Gerresheimer kamen vor allem mit der Übernahme von Bormioli im Mai
2024. Durch diesen Schritt habe sich "die Unternehmensgeschichte von
einer Equity-Story zu einer Bond-Story gewandelt". Dies sei mit
einer massiven Verschlechterung der Profitabilität und mangelnder
Transparenz in der tatsächlichen Geschäftsentwicklung
einhergegangen, habe dann in den von BaFin untersuchten
Bilanzierungs- und Governance-Problemen gemündet und zu einer
kompletten Neubesetzung des Managements geführt. "Das einzige
verbliebene Puzzleteil dieser alarmierenden Situation könnte immer
noch eine mögliche Bilanzfälschung sein", resümierte sie und blieb
bei ihrem Anlageurteil "Underweight"./ck/ajx/he
ISIN DE000A0LD6E6
AXC0263 2026-04-16/16:42
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Autor: - dpa-AFX
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