| Bundestag beschließt neue Regeln für Verbraucherkredite |
| 17.04.2026 11:00:00 |
Verbraucher sollen bei Kreditgeschäften künftig
besser geschützt werden. Das hat der Bundestag in Berlin
beschlossen. Zum Kern der Reform gehören mehr und schärfere
Kreditwürdigkeitsprüfungen, aber auch ein besserer Schutz
persönlicher Daten. Damit setzt Deutschland EU-Recht um.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), die im Bundestag nicht
sprach, sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur: "Die Reform des
Verbraucherkreditrechts ist eines der größten verbraucherpolitischen
Gesetzgebungsvorhaben der letzten Jahre und betrifft viele Millionen
Menschen."
Was sich ändert
- Künftig unterliegen Zahlungsmethoden wie "Jetzt kaufen, später
bezahlen" ("Buy now, pay later") den gleichen Regeln wie
Verbraucherkredite. So soll hier künftig die Kreditwürdigkeit
geprüft werden. "Dies begegnet der Gefahr, dass insbesondere jüngere
Verbraucherinnen und Verbraucher durch den Abschluss einer Vielzahl
solcher Verträge, selbst wenn die jeweiligen Einzelbeträge für sich
betrachtet nicht besonders hoch sind, den Überblick über ihre
Verbindlichkeiten verlieren und in eine Überschuldungsspirale
geraten", heißt es im Gesetz. Laut einer Umfrage der Finanzaufsicht
Bafin hat ein knappes Viertel der Unter-Dreißigjährigen beim
Online-Shopping mit der "Buy now, pay later"-Methode schon einmal
den Überblick über offene Rechnungen verloren.
- Die Regeln für Kreditwürdigkeitsprüfungen werden gestrafft.
Kredite sollen nur noch vergeben werden dürfen, wenn ihre
Rückzahlung wahrscheinlich ist. Bei der Prüfung dürfen keine
Informationen aus sozialen Netzwerken und besonders sensible Daten
wie vor allem Gesundheitsdaten verwendet werden.
- Kreditgeber werden zur "Nachsicht" gegenüber Kreditnehmern
verpflichtet. Diese soll spätestens vor der Einleitung von
Zwangsvollstreckungsmaßnahmen greifen. Vor einer Kündigung soll
Verbraucherinnen und Verbrauchern in finanziellen Schwierigkeiten
eine Vertragsanpassung angeboten werden, etwa eine Verlängerung der
Laufzeit oder eine Stundung von Darlehensraten.
- Banken dürfen Dispokredite künftig nur noch mit einer
Kündigungsfrist von mindestens zwei Monaten beenden.
Opposition kritisiert Neuregelung als nicht weitgehend genug
Der CDU-Abgeordnete Sebastian Steineke wies in der Debatte auf
Zahlen des Statistischen Bundesamtes hin, nach denen 2024/2025 rund
5,7 Millionen Menschen überschuldet gewesen seien. Betroffen seien
zunehmend auch jüngere Menschen. "Jeder fünfte Mensch unter 30 hat
inzwischen Schulden, oft begünstigt durch Zahlungsdienste, die das
Ausgabeverhalten durch einfaches späteres Bezahlen fördern."
Nadine Heselhaus von der SPD sprach von einer "echten Verbesserung
für den Verbraucherschutz" und betonte: "Mit diesem Gesetz sorgen
wir dafür, dass aus einem einfachen Kauf keine Schuldenfalle wird."
Dagegen sahen Grüne und Linke die Regelungen als nicht weitgehend
genug an. "Insgesamt lassen Union und SPD einfach zu viele unnötige
Schutzlücken", kritisierte der Grünen-Abgeordnete Stefan Schmidt. Er
monierte unter anderem, dass sogenannte Debitkarten ausgenommen
seien und der Schutz vor Wucherzinsen nur halbherzig
erfolge./hrz/DP/nas
AXC0113 2026-04-17/11:00
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Autor: - dpa-AFX
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