| Luftverkehr: Verband warnt vor Kerosin-Engpass im Sommer |
| 17.04.2026 11:10:00 |
Der stockende Nachschub von Kerosin
könnte nach Einschätzung des Luftverkehrsverbandes BDL schon bald zu
spürbaren Einschnitten im Flugangebot führen. "Die Sommerreisesaison
steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der
Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen
auf den Luftverkehr angewiesen", warnt BDL-Hauptgeschäftsführer
Joachim Lang. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" berichtet.
Ob und wann sich die Versorgungslage zuspitzt, hänge maßgeblich von
der Dauer des Iran-Kriegs ab. Selbst bei einem kurzfristigen Ende
werde sich die Lage auf den Energiemärkten nur langsam entspannen.
Der Verband verweist auf Energieexperten, denen zufolge im Nahen
Osten mehr als 80 Anlagen teils schwer beschädigt seien, sodass eine
kurzfristige Rückkehr zum Vorkrisen-Niveau nicht erwartet werden
könne. Die Mineralölwirtschaft gehe davon aus, dass noch für längere
Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar seien.
Ersatz für Importe aus Nahost gesucht
Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge könnte Kerosin in
Teilen Europas wegen der Lage in der Straße von Hormus in den
kommenden Wochen knapp werden. "Mehrere europäische Länder könnten
in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von
Kerosin gegenüberstehen", hieß es von der in Paris ansässigen IEA.
Dies hänge davon ab, wie viel der eingebüßten Lieferungen aus dem
Mittleren Osten Länder durch andere Importe wettmachen könnten.
Bislang seien 75 Prozent der europäischen Kerosin-Nettoimporte aus
dem Mittleren Osten gekommen.
Ersatz kommt bislang vor allem aus den USA, so der BDL. Die
Lieferungen könnten allerdings bislang nur rund die Hälfte der
ausfallenden Mengen ersetzen. Es drohten niedrige Bestände und ein
enger Markt über den Sommer hinaus.
Produktion deutscher Raffinerien
Der BDL verweist auf Zahlen des Energieverbands en2x, nach denen
2024 von den rund 9 Millionen Tonnen in Deutschland abgesetzten
Kerosins rund 5,9 Millionen Tonnen importiert wurden. In deutschen
Raffinerien seien 4,8 Millionen Tonnen hergestellt worden, von denen
noch 1,6 Millionen Tonnen exportiert worden seien.
Die Fluggesellschaften haben bereits reagiert. Airlines wie KLM oder
SAS haben unrentable Flüge aus dem Programm genommen.
Der Lufthansa -Konzern lässt 27 Flugzeuge der
Regionaltochter Cityline stehen und will weitere Spritfresser zum
Winterflugplan ab Ende Oktober aus der Flotte streichen. Der BDL
sieht derartige Maßnahmen als ersten Schritt.
Freigabe von Reserven gefordert
An konkreten Gegenmaßnahmen schlägt der Verband eine enge staatliche
Überwachung der vorhandenen Kerosin-Mengen vor. Zudem sollten
nationale und europäische Reserven freigegeben werden. Helfen
könnten auch zusätzliche Durchleitungsrechte für die sogenannte
Nato-Pipeline, um die Flughäfen in Frankfurt, Köln, München und
Zürich besser versorgen zu können.
Die Branche will zudem in der Krise von Steuern und Abgaben
entlastet werden. Ein Vorschlag würde dabei zulasten der Passagiere
gehen. Der BDL will erreichen, dass Flugausfälle oder Verspätungen
aus Spritmangel als "außergewöhnliche Umstände" bewertet werden, bei
denen dann keine Entschädigungen nach der
EU-Passagierrechtsverordnung gezahlt werden müssten./ceb/DP/nas
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AXC0118 2026-04-17/11:10
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Autor: - dpa-AFX
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