| Wer bekommt die Entlastungsprämie? Konzerne warten ab |
| 18.04.2026 08:12:00 |
Viele große Unternehmen halten sich bei der neuen
Entlastungsprämie für ihre Beschäftigten noch zurück. Die meisten
Konzerne gaben in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur an,
zunächst die konkrete Regelung abwarten zu wollen. Keiner der
Befragten wollte sich vorher festlegen, die vorgeschlagene Prämie
von bis zu 1.000 Euro zu zahlen. Teils gab es auch Kritik.
Weil Energie- und andere Preise infolge des Iran-Kriegs gestiegen
sind, hatte die Bundesregierung vorgeschlagen, dass Arbeitgeber den
Mitarbeitern eine solche Krisenprämie steuer- und abgabenfrei
auszahlen können. Die Drogeriemarktkette Rossmann kündigte umgehend
an, allen Beschäftigten eine Prämie zu zahlen, sobald die
Entscheidung dazu rechtskräftig sei - in der Regel 500 Euro, bei
Verkaufshilfen 250 Euro.
Thyssenkrupp: nicht zielführend
Dem Beispiel folgt keines der durch die dpa befragten Unternehmen,
es gibt vor allem zurückhaltende bis kritische Reaktionen. "Aus
Unternehmenssicht ist es nicht zielführend, zusätzliche pauschale
Zahlungen in den Mittelpunkt der Energiepreisdebatte zu stellen",
hieß es etwa vom Industriekonzern ThyssenKrupp .
Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch sagte bei der Bilanzvorlage des
Konzerns: "Das Gesetz liegt noch nicht vor. Und insofern, wenn es
dann vorliegt, dann prüfen wir das."
So wie Bosch wollen viele Unternehmen erst die konkrete Regelung
durch die Bundesregierung abwarten. Darunter sind die Autobauer
Volkswagen und Mercedes-Benz , der
Industriekonzern Siemens , der Nutzfahrzeughersteller
Daimler Truck , der Energieversorger Eon
, der Rüstungskonzern Rheinmetall und
der Elektronikhändler MediaMarktSaturn. Auch der Flughafenbetreiber
Fraport , die Lufthansa und die
Deutsche Börse haben noch keine Entscheidung
getroffen. Die Lebensmittelhändler Edeka und Aldi Nord verwiesen auf
den Handelsverband Deutschland (HDE).
Handel: Viele können Erwartung nicht erfüllen
Nach Angaben des Branchenverbandes lässt sich bislang nicht absehen,
wie viele Handelsunternehmen die Prämie auszahlen. Der Verband sieht
sie kritisch. Bei Beschäftigten werde eine Erwartung geweckt, die
viele Unternehmen wegen der schwierigen wirtschaftlichen
Ausgangslage nicht erfüllen können, sagte Hauptgeschäftsführer
Stefan Genth.
Die Otto Group kündigte an, die Regelung der Bundesregierung zu
prüfen, wenn sie konkret ausgestaltet ist, der Elektronikhändler
Expert verwies auf laufende interne Abstimmungen. "Ob und in welcher
Form eine mögliche Prämie umgesetzt werden kann, prüfen wir, sobald
eine konkrete gesetzliche Ausgestaltung vorliegt", sagte auch ein
Sprecher der Rewe-Group. Ähnlich äußerte sich der Autozulieferer
Continental .
Regierung: Prämien-Regelung soll möglichst schnell kommen
Nach Angaben von Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer läuft die
regierungsinterne Abstimmung zur Entlastungsprämie. Diese solle
möglichst schnell in Kraft treten. In den Gesprächen geht es auch
darum, den zunächst für 2026 geplanten Begünstigungszeitraum auf das
Jahr 2027 auszudehnen.
Der Konsumgüterkonzern Henkel erklärte, man begrüßte
es grundsätzlich, dass die Bundesregierung verschiedene Entlastungen
in den Blick nehme. "Wir werden uns die gerade beschlossene
Entlastungsprämie intern anschauen und können uns daher dazu noch
nicht konkret äußern."
Tui: Unternehmen haben kaum Luft zum Atmen
Vom Reisekonzern Tui , der auf einen Beitrag des
Vorstandschefs Sebastian Ebel auf der Plattform LinkedIn verwies,
kamen andere Töne: "Jede Woche eine zusätzliche bürokratische Hürde.
Und dazu eine potentielle 1000? steuerfreie Zahlung je Mitarbeiter
seitens der Bundesregierung zu Lasten der deutschen Unternehmen, die
eh kaum noch Luft zum Atmen haben. Bekommt keiner der
Verantwortlichen mehr mit, wie die Situation in Deutschland ist?"
Andere Unternehmen wollten sich gar nicht äußern, etwa der
Logistikkonzern DHL, dessen Stammgeschäft des Briefversands Deutsche
Post heißt, die Deutsche Telekom , der Autobauer Opel
und die Deutsche Bahn.
Große Vorbehalte im Mittelstand
Auch für die Beschäftigten im Mittelstand gibt es derzeit wenig
Aussicht auf die Prämie. Nach einer Blitzumfrage des Bundesverbands
mittelständische Wirtschaft kann sich nur ein Fünftel der befragten
gut 2.000 Unternehmen vorstellen, den Krisenbonus draufzulegen. Die
Hälfte hat sich demnach schon dagegen entschieden, wie das ZDF
berichtete. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband teilte mit,
viele seiner Unternehmen könnten die Prämie nicht stemmen./bf/DP/zb
ISIN DE0007236101 DE0005810055 DE0008232125 DE0007030009 DE000TUAG505
AXC0028 2026-04-18/08:12
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Autor: - dpa-AFX
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