| ROUNDUP 2/Im Schatten der Krise: Britischer König eröffnet Parlament |
| 13.05.2026 13:52:00 |
Inmitten einer historischen Regierungskrise hat
der britische König Charles III. das Parlament in London eröffnet.
Der von mindestens 80 Abgeordneten seiner Partei angezählte
Premierminister Keir Starmer hörte mit angestrengt wirkendem Blick
zu, als der Monarch mit Krone und Gewand die zahlreichen
Gesetzesvorhaben verlas. Ob Starmer diese in der neuen
Parlamentssession wirklich umsetzen kann und darf, ist weiterhin
völlig offen.
Die britische Zeitung "The Times" und der Sender Sky News
berichteten am Vormittag von mutmaßlichen Plänen für einen Coup
durch Gesundheitsminister Wes Streeting. Dieser könnte demnach am
Donnerstag zurücktreten und Starmer in eine innerparteiliche
Führungswahl zwingen - bestätigt sind die Berichte nicht. Am Morgen
empfing Starmer den Gesundheitsminister zu einem kurzen Gespräch in
der Downing Street.
Der Moment der "King's Speech" im Parlament wäre dann nur eine kurze
Krisenpause für den Premier und seine tief gespaltene Partei gewesen
- womöglich dem großen Respekt vor dem König geschuldet. Starmers
Labour-Partei hatte in der vergangenen Woche massive Verluste bei
den Kommunal- und Regionalparlamentswahlen zugunsten der
Rechtspopulisten von Reform UK mit Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage
hinnehmen müssen. Seitdem wird täglich über einen Rücktritt des
Premiers spekuliert.
Streeting habe nicht vor, "nach seinem Treffen mit dem
Premierminister Äußerungen zu machen, die von der Rede des Königs
ablenken könnten", sagte ein Sprecher des Ministers der "Times".
Unmittelbar nach der Ansprache von Charles III. schrieb Streeting
auf der Plattform X von Erfolgen bei der Reform des maroden
Gesundheitssystems NHS und den Aussichten mit der angekündigten
Gesetzgebung. "Viel erreicht, aber noch viel zu tun", schrieb er.
König kündigt Reihe von Gesetzesvorhaben an
Der König kündigte eine ganze Reihe von Gesetzesvorhaben "seiner
Regierung" und von "seinen Ministerinnen und Ministern" an, unter
anderem mehrere Sozialreformen und auch die weitere Annäherung an
die Europäische Union. Die Rede wurde von der Regierung geschrieben,
die Zeremonie hat in Großbritannien einen enormen Stellenwert. Am
Vormittag wurde selbst die Kutschfahrt der Krone (ohne König) ins
Parlament übertragen.
"Eine zunehmend gefährliche und unbeständige Welt bedroht das
Vereinigte Königreich", sagte der König zu Beginn. "Meine Regierung
wird dieser Welt mit Stärke begegnen und darauf hinarbeiten, ein
Land zu schaffen, das für alle gerecht ist." Andeutungen zur Krise
waren in der Rede nicht zu hören, nur der Schluss passte auch zur
Krise an sich: "Ich bete darum, dass der Segen des allmächtigen
Gottes auf Ihren Beratungen ruhe", sagte Charles.
Es ist davon auszugehen, dass die Regierung den Termin sehr bewusst
auf einen Tag zeitnah nach der Wahlwoche gelegt hat - in der
Hoffnung, der königliche Glanz brächte etwas Ruhe. BBC-Experte Chris
Mason kommentierte jedoch, alle befänden sich nun in einer Lage, die
"awkward" ist - also unangenehm, seltsam, gar peinlich. Die Scottish
National Party kündigte an, per Antrag eine Abstimmung über Starmer
in die Beratungen über die Inhalte der "King's Speech" einbringen zu
wollen.
Hat Streeting eine Chance gegen Starmer?
Streetings Name wurde in den vergangenen Tagen immer wieder genannt,
als es um mögliche Herausforderer für Starmer ging. Eigentlich gilt
der Gesundheitsminister aber nur als B-Kandidat. Dem Bürgermeister
von Manchester, Andrew "Andy" Burnham, würden größere Chancen
eingeräumt, das Labour-Ruder rumzureißen - die dafür nötige Rückkehr
des 56-Jährigen ins Parlament wurde vom Labour-Führungskreis aber
Anfang des Jahres verhindert.
Für eine Gegenkandidatur bräuchte es die Unterstützung von 81 der
gut 400 Parlamentarier. In dem dann ausgelösten Wahlprozess müsste
der oder die Kandidatin dann gewinnen, um Starmer als Parteichef
abzulösen und diesen zum Abschied vom Amt des Premierministers zu
zwingen. Nach einer Krisensitzung des Kabinetts am Montag war der
allgemeine Tenor, dass niemand den Premier herausgefordert habe.
Vize-Premierminister David Lammy, der als Justizminister dem
Monarchen die "King's Speech" reichte, hatte in der BBC dazu
aufgefordert, "einen Schritt zurückzutreten" und Farage und Reform
nicht in die Karten zu spielen. Starmer habe seine "volle
Unterstützung". Hinzu kam eine Erklärung von mehr als 100
Abgeordneten, die vor einem Führungswahlkampf warnten.
Die Partei habe "ein verheerend schlechtes Wahlergebnis erlebt",
heißt es darin laut der Nachrichtenagentur PA. Die Aufgabe, die
Gunst der Wähler zurückzugewinnen, sei schwierig. Deshalb müsse die
Arbeit daran sofort beginnen, "indem wir alle gemeinsam daran
arbeiten, den Wandel umzusetzen, den das Land braucht"./mj/DP/zb
AXC0297 2026-05-13/13:52
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Autor: - dpa-AFX
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