| ROUNDUP 2: Özdemir ist neuer Ministerpräsident im Südwesten |
| 13.05.2026 14:10:00 |
(neu: Reaktion Özdemir zu Wahlergebnis im zweiten Absatz.)
STUTTGART (dpa-AFX) - Cem Özdemir ist neuer Ministerpräsident von
Baden-Württemberg. Die Abgeordneten des Landtags wählten den
Grünen-Politiker in Stuttgart zum Regierungschef: 93 Parlamentarier
stimmen mit Ja, 26 mit Nein, es gab 4 Enthaltungen. Die
grün-schwarze Koalition hat eine Mehrheit von 112 Stimmen im
Parlament - mindestens 19 Abgeordnete der grün-schwarzen Koalition
verweigerten Özdemir damit die Gefolgschaft. Die erforderliche
Mehrheit lag bei 79 Stimmen.
"Alle können halt nicht Minister und Staatssekretäre werden. Dass da
der eine oder andere enttäuscht ist, das verstehe ich schon. Das
halten wir aus", sagte Özdemir im Landtag nach seiner Wahl. Er ist
nun der erste Regierungschef mit türkischen Wurzeln in der
Geschichte der Bundesrepublik. Özdemir folgt auf
Langzeit-Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der nach 15 Jahren
aus dem Amt scheidet, und ist nach ihm der zweite grüne
Ministerpräsident Deutschlands.
Zuvor hatte die AfD-Fraktion den CDU-Chef Manuel Hagel, der
Vizeregierungschef der neuen Regierung werden soll, als
Gegenkandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorgeschlagen.
Hagel kam auf 34 Stimmen. In der AfD-Fraktion sitzen 35 Abgeordnete.
Die Wahl erfolgte geheim.
Opposition sieht Fehlstart für neue Koalition
Die Tatsache, dass eine ganze Reihe von Abgeordneten der
grün-schwarzen Koalition nicht für Özdemir stimmten, löste
unterschiedliche Reaktionen aus. "Das bringt eine
Zweidrittelmehrheit mit sich", sagte Grünen-Fraktionschef Andreas
Schwarz dem SWR nach der Abstimmung. "Bei einer so großen Mehrheit
kann das einfach mal vorkommen, das tut dem Ergebnis nichts ab."
CDU-Fraktionschef Tobias Vogt sagte: "Es ist eine geheime Wahl. Das
ist ein gutes Ergebnis. Es zeigt, dass die Regierungskoalition
funktioniert."
Die Opposition sieht das Ergebnis hingegen als Klatsche für Özdemir.
"Ein überraschender Fehlstart", kommentierte SPD-Fraktionschef
Sascha Binder im SWR. "Es scheint so, dass der Ministerpräsident
erstmal die Probleme im eigenen Lager lösen muss, bevor er sich um
die wichtigen Probleme im Land kümmern kann."
Özdemir legt Amtseid ab: "So wahr mir Gott helfe"
Nach der Landtagswahl am 8. März hatte es in der CDU viel Unmut über
Özdemir und die Grünen gegeben. Viele Christdemokraten warfen den
Grünen eine gezielte "Schmutzkampagne" im Wahlkampf vor. Hintergrund
ist ein Video aus dem Jahr 2018, das eine
Grünen-Bundestagsabgeordnete kurz vor der Wahl verbreitet hatte.
Darin äußert sich der damals 29-jährige Hagel über die "rehbraunen
Augen" einer Schülerin - der Clip schadete dem CDU-Spitzenkandidaten
im Wahlkampf. Özdemir erklärte, von dem Post nichts gewusst zu
haben. Gut möglich, dass ihm das Thema die eine oder andere Stimme
bei seiner Wahl zum Regierungschef kostete.
Nach seiner Wahl wurde Özdemir von Landtagspräsident Thomas Strobl
(CDU) vereidigt. Die Eidesformel sprach Özdemir mit dem religiösen
Zusatz "So wahr mir Gott helfe." Bei seiner Vereidigung als
Bundeslandwirtschaftsminister hatte Özdemir den Eid noch ohne den
religiösen Zusatz verwendet.
Ein Trikot für den Läufer
Noch bevor Özdemir die Wahl angenommen hatte, bekam er schon das
erste Geschenk. Landtagspräsident Strobl überreichte dem
Grünen-Politiker ein Lauftrikot in den Landesfarben schwarz-gelb mit
der Aufschrift "Baden-Württembergliebe" - erst im Anschluss fragte
er Özdemir offiziell, ob dieser das Amt auch annehmen möchte.
Es sei ein Geschenk, das einen Blumenstrauß überdauere, sagte Strobl
zu Özdemir und ergänzte: "Ich weiß, dass man ähnlich wie in der
Politik Ausdauer beim Laufen braucht." Zudem sei Özdemir nun der
Kapitän "des stärksten und schönsten Landes, das es in Deutschland
gibt".
Keine stärkste Fraktion im neuen Landtag
Özdemir führt im Südwesten eine Neuauflage der grün-schwarzen
Koalition an. Grüne und CDU regieren in Baden-Württemberg bereits
seit zehn Jahren miteinander. Die Grünen waren bei der Landtagswahl
am 8. März mit 30,2 Prozent knapp stärkste Kraft geworden, dicht
gefolgt von der CDU mit 29,7 Prozent. Im neuen Landtag verfügen
beide Parteien über jeweils 56 Mandate.
Grüne und CDU hatten sich in wochenlangen und teils zähen
Verhandlungen auf ein gemeinsames Regierungsprogramm für die
kommenden fünf Jahre geeinigt. Am Montag erst hatten Özdemir und
Hagel den Koalitionsvertrag unterzeichnet. Geplant sind unter
anderem ein kostenloses und verpflichtendes letztes Kindergartenjahr
sowie Maßnahmen zur Entbürokratisierung. Am Dienstag trat der
baden-württembergische Landtag in seiner neuen Zusammensetzung
erstmals zusammen./poi/DP/men
AXC0304 2026-05-13/14:10
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Autor: - dpa-AFX
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