| ROUNDUP 4: Milka verliert Prozess um Schrumpf-Schokolade |
| 13.05.2026 14:35:00 |
Gleiche Verpackung, weniger Inhalt, und das zum
höheren Preis: Nach Auffassung des Landgerichts Bremen hat Milka mit
seinen Schokoladentafeln Käufer getäuscht und die Irre geführt.
Hersteller Mondelez hatte das Gewicht vieler Milka-Sorten von 100
auf 90 Gramm reduziert, die Verpackung jedoch kaum geändert. Auf den
reduzierten Inhalt sei nicht deutlich genug hingewiesen worden,
entschied das Gericht und gab damit einer Klage der
Verbraucherzentrale Hamburg weitgehend statt.
Mondelez hätte die Packung mit 90 Gramm nicht ohne deutlichen
Hinweis auf den reduzierten Inhalt in Verkehr bringen dürfen, wenn
in den vier Monaten zuvor die Packung mit 100 Gramm im Angebot war,
urteilte das Gericht. Um eine Irreführung auszuräumen, hätte es
eines Hinweises auf der Verpackung bedurft - zumindest in den ersten
vier Monaten nach der Umstellung, so der Vorsitzende Richter Claas
Schmedes. Das sei hier aber nicht der Fall gewesen.
Muss Mondelez die Milka-Tafeln nun aus den Supermärkten zurückrufen
oder mit Warnaufklebern nachbessern? Nein, heißt es beim Gericht.
"Das hat keine direkten Konsequenzen", sagte ein Sprecher. Denn die
Gewichtsreduzierung war schon Anfang 2025 erfolgt, die vom Richter
gesetzte Frist von vier Monaten daher längst abgelaufen. Und danach
bestehe keine Pflicht mehr, etwas an der Verpackung zu ändern.
Bedeutung habe das Urteil aber für künftige Fälle. Denn es bestehe
Wiederholungsgefahr.
Hersteller: Nehmen Entscheidung ernst
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Mondelez kann dagegen noch
Berufung vor dem Oberlandesgericht einlegen. "Wir nehmen die heutige
Entscheidung des Gerichts zur Kenntnis und ernst und schauen uns die
Urteilsbegründung des Gerichts jetzt im Detail an", teilte das
Unternehmen mit. Konkrete Aussagen zu möglichen Konsequenzen oder
Rechtsmitteln machte es auf Nachfrage nicht.
Schon bei der mündlichen Verhandlung vor drei Wochen hatte das
Gericht in seiner ersten Einschätzung durchblicken lassen, dass
Kunden durch die neue Packung getäuscht werden könnten. "Das ist
eine relative Mogelpackung", hatte Richter Schmedes damals gesagt.
"Der Verbraucher erkennt keinen Unterschied." Der Hersteller gebe
das Gewicht zwar ordnungsgemäß an. Doch es fehle jeder Hinweis, dass
sich die Menge im Vergleich zu früher reduziert hat.
Weniger Inhalt, höherer Preis
Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Hamburg wegen unlauteren
Wettbewerbs. Da die neue Tafel nur einen Millimeter dünner und das
Design der Verpackung fast identisch sei, falle das geringere
Gewicht nicht auf. Zugleich habe sich der Preis der Tafel erhöht -
von 1,49 auf 1,99 Euro. Das Unternehmen hatte die Kritik stets
zurückgewiesen. Das Gewicht sei klar auf der Verpackung zu erkennen
und auf Vorder- wie Rückseite angegeben.
Die Verbraucherzentrale sieht sich nun durch das Urteil bestätigt.
"Es stärkt die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern bei
versteckten Preiserhöhungen", sagte Armin Valet,
Lebensmittel-Experte bei Verbraucherzentrale Hamburg.
Experte: Milka hat jahrzehntelang von Vertrauen der Kunden gelebt
Marketing-Experten sehen das Image der Marke durch das Urteil
beschädigt. "Für Milka ist das vor allem ein Vertrauensproblem.
Viele Verbraucher haben ohnehin schon das Gefühl, dass Produkte
heimlich teurer werden", sagte Stefan Rohrbach, Professor der
Hochschule der Medien in Stuttgart. Wenn ein Gericht von möglicher
Täuschung spreche, bleibe das an der Marke hängen.
Andreas Baetzgen, Professor an der Hochschule für Technik und
Wirtschaft Berlin, sagte: "Besonders problematisch ist das für eine
Marke wie Milka, die jahrzehntelang von Vertrauen,
Wiedererkennbarkeit und emotionaler Nähe zu ihren Kunden gelebt
hat." Verbraucher verließen sich darauf, beim vertrauten Produkt die
gewohnte Menge zu erhalten. "Tatsächlich bekommen sie aber weniger
Inhalt für ihr Geld." Der Fall zeige, wie stark große
Konsumgütermarken unter Druck stünden.
Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels, die
Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie und der
Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie äußerten sich auf
Nachfrage nicht.
Starke Preiserhöhungen wegen schlechter Ernten
In den vergangenen Jahren ist Schokolade deutlich teurer geworden.
Ursache waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika infolge von
Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Hersteller und Händler gaben
die höheren Rohstoffkosten an die Kunden weiter. Laut Statistischem
Bundesamt war eine Tafel Schokolade im April im Schnitt 75 Prozent
teurer als 2020.
Verbraucher griffen wegen der höheren Preise zuletzt seltener zu
Schokolade. In den vergangenen Monaten haben die Lebensmittelhändler
die Verkaufspreise zahlreicher Eigenmarkenprodukte wieder etwas
gesenkt. Grund ist eine bessere Kakaoernte. Die Rohkakaopreise an
den Börsen sind deutlich gesunken.
Kritik an neuen Ritter-Sport-Sorten
Auch Ritter Sport steht seit dieser Woche wegen Packungsgrößen in
der Kritik. Der Schokoladenhersteller hat kürzlich drei neue Sorten
mit einem besonders hohen Kakaoanteil auf den Markt gebracht - die
neue Edelkakao-Klasse. Statt 100 Gramm enthalten die Tafeln nur noch
75 Gramm.
Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht darin eine versteckte
Preiserhöhung. Das Phänomen - weniger Inhalt zum gleichen oder sogar
höheren Preis - wird auch als "Shrinkflation" bezeichnet. Trotz
anderer Gestaltung der neuen Sorten erkennen die Verbraucherschützer
Parallelen zu den früheren Produkten der Kakao-Klasse. Der Preis
liege trotz geringerer Füllmenge meist weiterhin bei 2,29 Euro je
Tafel. "Unter der Annahme, dass die bisherigen Produkte faktisch
ersetzt werden, entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von
mehr als 33 Prozent."
Ritter Sport widerspricht der Darstellung. Nach Unternehmensangaben
handelt es sich um eine neue Produktgruppe mit neuen Rezepturen und
einem neuen Tafelformat. Zum geringeren Gewicht teilte Ritter Sport
mit: "Aus der Marktforschung wissen wir, dass Verbraucherinnen und
Verbraucher bei Schokoladen mit hohem Kakaoanteil dünnere Tafeln
bevorzugen". Auf das reduzierte Gewicht werde auf der Verpackung
hingewiesen./fjo/DP/zb
ISIN US6092071058
AXC0314 2026-05-13/14:35
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Autor: - dpa-AFX
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