| ROUNDUP: Hisbollah lehnt Waffenruhe mit Israel ab |
| 04.06.2026 15:06:00 |
Die Hisbollah im Libanon lehnt die jüngst
getroffenen Bedingungen für eine Waffenruhe mit Israel ab. "Das
angekündigte Abkommen ist ein Fahrplan zur Zerstörung eines Teils
des libanesischen Volkes und zur Unterwerfung des übrigen Teils",
hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung von
Hisbollah-Chef Naim Kassim.
Kassim lehnte insbesondere Forderungen nach einer Entwaffnung der
vom Iran unterstützten Organisation ab. Eine Auslegung der
Waffenruhe, nach der die Hisbollah ihre Angriffe einstellen müsse,
während die israelischen Angriffe andauerten, komme einer
"Kapitulation" gleich.
Kassim betonte, die Hisbollah habe niemandem zugesagt, auf
"Widerstand oder Vergeltung" zu verzichten. Solange die Angriffe
anhielten, werde die Organisation ihre militärischen Aktionen
fortsetzen. "Wir lehnen jede Verknüpfung zwischen der Existenz des
Widerstands und dem Ende der Aggression oder dem Rückzug Israels
ab", hieß es.
Solange Angriffe andauern, wird "Widerstand" fortgesetzt
Zugleich erklärte Kassim, die Hisbollah befürworte einen umfassenden
Waffenstillstand, der das Ende aller israelischen Angriffe, den
Rückzug Israels aus libanesischem Gebiet, die Rückkehr der
Vertriebenen und den Wiederaufbau einschließen müsse. Solange
Besatzung und Angriffe andauerten, werde der "Widerstand"
fortgesetzt. "Solange unsere Dörfer unsicher, bombardiert und
zerstört sind und unsere Bevölkerung getötet wird", werden auch die
israelischen Ortschaften nicht sicher sein, hieß es weiter.
Zudem forderte Kassim die libanesische Führung auf, die direkten
Verhandlungen zu beenden. Er bezeichnete sie als "Farce" und
"Erniedrigung".
Waffenruhe bisher praktisch unwirksam
Nachdem eine bisherige Waffenruhe, die zwischen Israel und dem
Libanon vereinbart wurde, bisher kaum Wirkung gezeigt hat, haben
sich beide Regierung in der Nacht auf einen neuen Weg zur Umsetzung
geeinigt.
Vorgesehen ist unter anderem, dass die Hisbollah ihre Angriffe auf
Israel vollständig einstellt und sich aus Gebieten südlich des
Litani-Flusses - das zum Teil bis zu 30 Kilometer nördlich der
israelischen Grenze liegt - zurückzieht. Im Südlibanon sollen
sogenannte Pilot- bzw. Sicherheitszonen eingerichtet werden, in
denen ausschließlich die regulären libanesischen Streitkräfte die
Kontrolle ausüben. Die libanesische Armee soll damit schrittweise
die Verantwortung für die Sicherheitslage in diesen Bereichen
übernehmen.
Die libanesische Regierung ist formal nicht Kriegspartei und hat nur
begrenzten Einfluss auf die Hisbollah. Die Hisbollah wird vom Iran
unterstützt und hat bisher nie selbst einer Entwaffnung zugestimmt.
Katz: Israel behält sich Handlungsfreiheit vor
Auch Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir kritisierte die
Vereinbarung zwischen Israel und dem Libanon bereits als "schweren
Fehler". Die Einigung sei das Ergebnis falscher Ratschläge an die
politische Führung und werde nach seiner Einschätzung die Hisbollah
stärken.
Verteidigungsminister Israel Katz wies die Kritik zurück und sprach
laut Medienberichten von "großen Errungenschaften" im Libanon auf
militärischer und politischer Ebene. Die Vereinbarung spiegele die
von Israel geschaffene Realität wider und könne perspektivisch einen
Friedensvertrag mit dem Libanon ermöglichen.
Nach Darstellung von Katz sieht die Vereinbarung auch eine
fortgesetzte Präsenz der israelischen Armee in einer sogenannten
"Sicherheitszone" im Grenzgebiet sowie operative Handlungsfreiheit
vor. Bereits seit dem Morgen kam es im Libanon erneut zu mehreren
Angriffen im Süden und in der Bekaa-Ebene im Osten des
Landes./arj/DP/he
AXC0119 2026-06-04/15:06
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Autor: - dpa-AFX
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