| ROUNDUP 2: Hisbollah lehnt Bedingungen zur Waffenruhe mit Israel ab |
| 04.06.2026 15:42:00 |
(Titel aktualisiert, Hintergrund ergänzt)
BEIRUT (dpa-AFX) - Die Hisbollah im Libanon lehnt die jüngst
getroffenen Bedingungen für eine Waffenruhe mit Israel ab. "Das
angekündigte Abkommen ist ein Fahrplan zur Zerstörung eines Teils
des libanesischen Volkes und zur Unterwerfung des übrigen Teils",
hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung von
Hisbollah-Chef Naim Kassim.
Kassim lehnte insbesondere Forderungen nach einer Entwaffnung der
vom Iran unterstützten Organisation ab. Eine Auslegung der
Waffenruhe, nach der die Hisbollah ihre Angriffe einstellen müsse,
während die israelischen Angriffe andauerten, komme einer
"Kapitulation" gleich.
Kassim betonte, die Hisbollah habe niemandem zugesagt, auf
"Widerstand oder Vergeltung" zu verzichten. Solange die Angriffe
anhielten, werde die Organisation ihre militärischen Aktionen
fortsetzen. "Wir lehnen jede Verknüpfung zwischen der Existenz des
Widerstands und dem Ende der Aggression oder dem Rückzug Israels
ab", hieß es.
Solange Angriffe andauern, wird "Widerstand" fortgesetzt
Zugleich erklärte Kassim, die Hisbollah befürworte einen umfassenden
Waffenstillstand, der das Ende aller israelischen Angriffe, den
Rückzug Israels aus libanesischem Gebiet, die Rückkehr der
Vertriebenen und den Wiederaufbau einschließen müsse. Solange
"Besatzung" und Angriffe andauerten, werde der "Widerstand"
fortgesetzt. "Solange unsere Dörfer unsicher, bombardiert und
zerstört sind und unsere Bevölkerung getötet wird", werden auch die
israelischen Ortschaften nicht sicher sein, hieß es weiter.
Zudem forderte Kassim die libanesische Führung auf, die direkten
Verhandlungen mit Israel zu beenden. Er bezeichnete sie als "Farce"
und "Erniedrigung".
Waffenruhe bisher praktisch unwirksam
Im Zuge des Iran-Kriegs kam es auch zwischen Israel und der
Hisbollah im Libanon zu einer erneuten Eskalation. Bereits Mitte
April wurde erstmals eine Waffenruhe zwischen der libanesischen und
israelischen Regierung verkündet. Trotz mehrmaliger Verlängerungen
hat sie bisher kaum Wirkung gezeigt. Der Krieg ging fast
unvermindert weiter. Beide Seiten griffen sich täglich weiter an.
Insbesondere im Libanon kam es dabei immer zu Toten. Mehr als 3.500
Menschen wurden im Libanon nach Behördenangaben bisher getötet.
Nach erneuten direkten Gesprächen zwischen israelischen und
libanesischen Regierungsvertretern haben sich beide Regierung in der
Nacht auf einen neuen Weg zur Umsetzung geeinigt. Die libanesische
Regierung ist keine Konfliktpartei in dem Krieg und hat nur
begrenzten Einfluss auf die Hisbollah. Die Schiitenorganisation
selbst war nicht an den Gesprächen beteiligt.
Vereinbarung sieht Entwaffnung und Rückzug der Hisbollah vor
Vorgesehen ist der Vereinbarung zufolge unter anderem, dass die
Hisbollah ihre Angriffe auf Israel vollständig einstellt und sich
aus Gebieten südlich des Litani-Flusses - das zum Teil bis zu 30
Kilometer nördlich der israelischen Grenze liegt - zurückzieht. Im
Südlibanon sollen sogenannte Pilot- bzw. Sicherheitszonen
eingerichtet werden, in denen ausschließlich die regulären
libanesischen Streitkräfte die Kontrolle ausüben. Die libanesische
Armee soll damit schrittweise die Verantwortung für die
Sicherheitslage in diesen Bereichen übernehmen.
Ein Abzug der israelischen Truppen, die in den vergangenen Wochen
immer weiter ins libanesische Landesinnere vorgerückt waren, wurde
nicht explizit erwähnt. Die Hisbollah sieht einen Abzug und die
Einstellung der Angriffe als Voraussetzung für weitere Schritte
ihrerseits. Israel hingehen will mit seinen Angriffen vor allem die
Entwaffnung der Hisbollah durchsetzen. Die Hisbollah hat bisher nie
selbst einer Entwaffnung zugestimmt.
Katz: Israel behält sich Handlungsfreiheit vor
Auch Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir kritisierte die
Vereinbarung zwischen Israel und dem Libanon bereits als "schweren
Fehler". Die Einigung sei das Ergebnis falscher Ratschläge an die
politische Führung und werde nach seiner Einschätzung die Hisbollah
stärken.
Verteidigungsminister Israel Katz wies die Kritik zurück und sprach
laut Medienberichten von "großen Errungenschaften" im Libanon auf
militärischer und politischer Ebene. Die Vereinbarung spiegele die
von Israel geschaffene Realität wider und könne perspektivisch einen
Friedensvertrag mit dem Libanon ermöglichen.
Nach Darstellung von Katz sieht die Vereinbarung auch eine
fortgesetzte Präsenz der israelischen Armee in einer sogenannten
"Sicherheitszone" im Grenzgebiet sowie operative Handlungsfreiheit
vor. Bereits seit dem Morgen kam es im Libanon erneut zu mehreren
Angriffen im Süden und in der Bekaa-Ebene im Osten des
Landes./arj/DP/he
AXC0130 2026-06-04/15:42
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Autor: - dpa-AFX
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