| ROUNDUP: Selenskyj bietet Putin Treffen an - Kreml pocht auf Donbass |
| 05.06.2026 15:15:00 |
Angesichts stockender
Vermittlungsbemühungen der USA bietet der ukrainische Präsident
Wolodymyr Selenskyj Kremlchef Wladimir Putin in einem offenen Brief
direkte Friedensgespräche an. Er schlage ein persönliches Treffen in
einem Drittstaat vor, um "Schlüsselfragen" zu klären, hieß es in dem
vom Präsidentenbüro in Kiew veröffentlichten Schreiben. Zunächst
erneuerte der Kreml nur sein - von Selenskyj schon mehrfach
abgelehntes - Angebot für Verhandlungen in Moskau und die Forderung
nach einer vollständigen Kontrolle der ukrainischen Donbass-Region
als Voraussetzung für einen Frieden.
Das Thema des Briefs werde höchstwahrscheinlich bei der von Putin
geführten Plenarsitzung auf dem St. Petersburger Internationalen
Wirtschaftsforum vorkommen, kündigte Kremlsprecher Dmitri Peskow an.
Die Bundesregierung begrüßte Selenskyjs Angebot. "Wir teilen zudem
die Ansicht von Präsident Selenskyj, dass an Gesprächen mit Russland
auch Vertreter Europas und der Vereinigten Staaten beteiligt werden
sollen", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian
Hille.
Putin gibt sich siegesgewiss
Beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg gab sich
Putin siegesgewiss. Probleme habe vor allem die ukrainische
Gegenseite, sagte er in einer Pressekonferenz für ausländische
Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur.
Von seiner Rede vor großem Publikum erwarten viele Russen jedoch,
dass Putin Lösungen aufzeigt für die aufgestauten Probleme im
eigenen Land. Bei der Veranstaltung beantwortet er traditionell
Fragen, die sich auch um den Ukraine-Krieg drehen dürften. Im
fünften Kriegsjahr sieht sich Russland mit einem Wachstumseinbruch
und andauernden westlichen Sanktionen konfrontiert. Dennoch will der
Kreml auf dem Forum ökonomische Stärke demonstrieren.
Trump fände Treffen von Selenskyj und Putin gut
Klar ist, dass Putin für Friedensgespräche - wenn überhaupt -
genauso wenig nach Kiew reisen wird wie Selenskyj nach Moskau.
Deshalb nannte der Ukrainer als Alternativen die Schweiz, die Türkei
oder einen der arabischen Staaten.
US-Präsident Donald Trump sagte vor Journalisten im Weißen Haus auf
den Brief angesprochen, dass er es gut fände, wenn es zu einem
Treffen zwischen Putin und Selenskyj käme.
Inhaltlich ging die russische Seite nicht auf den Brief ein. Putin
hatte kurz vor der Veröffentlichung des Schreibens gesagt, "wir sind
zweifellos dazu bereit, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu
treffen". Basis dafür seien jedoch die Abmachungen von Anchorage,
betonte der Kremlchef. In der Stadt in Alaska hatte ihn US-Präsident
Trump im vergangenen Sommer getroffen. Konkrete Ergebnisse oder
Abmachungen wurden danach allerdings nicht bekannt.
Russland beharrt auf voller Kontrolle über Donbass
Putin sagte, seine Forderung nach einer vollständigen russischen
Kontrolle der Gebiete Donezk und Luhansk widerspreche als
Friedensbedingung nicht der postulierten Dialogbereitschaft. Seiner
Darstellung zufolge greift die russische Armee auf ganzer Front an,
während der Ukraine Soldaten fehlten. Auf dem Schlachtfeld habe
Russlands Militär die Oberhand und verbuche ständig Gebietsgewinne,
meinte er weiter.
Die dafür von ihm angegebene Zahl von 2.440 hinzugewonnen
Quadratkilometern liegt indes deutlich über Kiews Angaben. Nach
Berechnungen regierungsnaher ukrainischer Militärbeobachter hat die
russische Armee mit abnehmendem Tempo seit Jahresbeginn knapp 700
Quadratkilometer erobert.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher
Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg./rom/DP/he
AXC0144 2026-06-05/15:15
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Autor: - dpa-AFX
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