| WOCHENAUSBLICK: Iran-Krieg und EZB-Aussagen sind Prüfsteine für Dax-Stabilität |
| 05.06.2026 15:59:00 |
Der deutsche Leitindex Dax
könnte auch in der neuen Woche den geopolitischen Sorgen und der
Inflationsangst trotzen. "An den Aktienmärkten überwiegt noch die
Zuversicht, insbesondere was die US-Börsen anbelangt", schrieb
Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen
(Helaba).
Als Kursstütze erweist sich der Helaba-Expertin zufolge die Fantasie
rund um Künstliche Intelligenz, auch wenn die Rally zumindest im
Halbleiterbereich zuletzt ins Stocken geraten ist. Zudem sorge die
fortwährende Unsicherheit über den Kriegsverlauf im Iran an den
Finanzmärkten immer weniger für eine Zunahme der Risikoaversion.
Etwas skeptischer ist Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: "Die
geopolitischen Unwägbarkeiten bleiben freilich relevant." Immer
wieder aufkeimendem Optimismus über Fortschritte in den
US-Iran-Gesprächen stehe die Unsicherheit über den brüchigen
Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon gegenüber.
Die Lage im Nahen Osten ist derzeit wesentlich für die Entwicklung
des Ölpreises und damit für die Inflationsaussichten. Sollte die für
den weltweiten Handel wichtige Straße von Hormus weiter de facto
durch den Iran blockiert werden, dürfte der Preis für ein Barrel
(159 Liter) der Referenzsorte Brent aus der Nordsee dauerhaft hoch
bleiben. Dies birgt die Gefahr eines Kosten-Schocks für die gesamte
Wirtschaft, denn höhere Aufwendungen für Transport, Produktion und
Energie können das allgemeine Preisniveau immer mehr in die Höhe
treiben und so letztlich die Kaufkraft der Verbraucher bremsen.
Vor diesem Hintergrund richtet sich Kater zufolge der Blick an den
Finanzmärkten insbesondere auf die am Donnerstag anstehende Sitzung
der Europäischen Zentralbank (EZB). So sicher eine Anhebung der
Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auch scheine, so hoch bleibe die
Unsicherheit über den künftigen geldpolitischen Kurs. "Wenn die
Europäische Zentralbank kommunikativ unterstreicht, dass sich die
Rohölspur weiter durch die Inflationsprognosen zieht, bliebt die Tür
für eine geldpolitisch straffere Zinslandschaft offen", schrieb
Kater.
Neben der Zinsentscheidung dürften die neuen Projektionen der EZB
und die Aussagen der Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde im
Fokus stehen, hieß es von Commerzbank-Analyst Pascal Reichert.
Nachdem mehrere Sprecher bereits angedeutet hätten, dass das bei der
März-Sitzung präsentierte "adverse" Szenario die aktuelle Lage am
besten wiederzugeben scheint, könnte die Europäische Zentralbank
unter Umständen neben ihren Inflations- und Wachstumsprojektionen
auch ihre Szenarien-Analyse noch einmal überarbeiten. Diese dürften
den Märkten bei der Orientierung helfen.
Bereits am Mittwoch richtet sich die Aufmerksamkeit auf die
US-Verbraucherpreisdaten für Mai. Neben den Preisen von Energie und
Nahrungsmitteln dürfte sich der Iran-Krieg vor allem bei Flugpreisen
niedergeschlagen haben, schrieb Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.
Insgesamt würden die Inflationszahlen sicherlich die Debatte am
Leben erhalten, ob die US-Notenbank wegen der Inflationsrisiken die
Leitzinsen anhebt, resümierte Solveen. Für eine geldpolitische
Straffung zumindest gen Jahresende sprach zuletzt der deutlich
stärker als erwartete Anstieg der Beschäftigtenzahl in den USA. Der
nächste Zinsentscheid der Fed wird für den 17. Juni erwartet.
Auf der Unternehmensseite präsentiert Heidelberger Druckmaschinen
am Mittwoch seine Jahreszahlen. Am Freitag gibt es
von dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport
Verkehrszahlen. Der letzte Tag der neuen Woche aber steht ganz im
Zeichen des erwarteten Rekord-Börsengangs (IPO) von Elon Musks
Weltraumfirma SpaceX. Da der Multimilliardär auch seine KI-Firma xAI
in das Unternehmen integriert hat und der IPO weltweit mit großen
Erwartungen verbinden ist, könnte das Ereignis hierzulande ebenfalls
Wellen schlagen./la/jsl/he
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008
AXC0152 2026-06-05/15:59
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Autor: - dpa-AFX
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