| Merz: Deutschland bewirbt sich 2035/36 für UN-Sicherheitsrat |
| 05.06.2026 20:25:00 |
Nach der gescheiterten Kandidatur für den
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird sich Deutschland für die
Perioden 2035/36 und 2043/44 erneut um einen Sitz im mächtigsten
UN-Gremium bewerben. Kanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte die neue
Bewerbung der Bundesrepublik am Rande eines EU-Westbalkan-Gipfels in
Montenegro an.
Deutschland war am Mittwoch in der UN-Generalversammlung in New York
mit seiner Kandidatur für einen Sitz im Rat in den nächsten beiden
Jahren bereits im ersten Wahlgang unerwartet deutlich Österreich und
Portugal unterlegen.
Deutschland kam nur auf 104 Stimmen. Für die nötige
Zweidrittelmehrheit wären 127 Stimmen nötig gewesen. Für Portugal
stimmten 134 Länder, Österreich kam auf 131 Stimmen. Insgesamt hat
die Weltorganisation 193 Mitgliedsstaaten.
Deutschland bisher sechsmal im Sicherheitsrat
Die Bundesrepublik war bereits sechsmal im Sicherheitsrat vertreten,
zuletzt 2019 und 2020. Durchgefallen war Deutschland laut Diplomaten
bisher noch nie.
Deutschland bewirbt sich in der Regel alle acht Jahre für den
Sicherheitsrat. Für die kommenden Jahre stehen bereits ausreichend
Kandidaten aus jener UN-Regionalgruppe in den Startlöchern, in der
auch Deutschland antritt. Für 2029/30 kandidieren für die beiden
betreffenden Sitze Australien und Finnland. Auch für alle möglichen
weiteren Kandidaturen bis Mitte der 2030er Jahre haben bereits
jeweils zwei Staaten ihre Kandidaturen erklärt. Für den Wahlzeitraum
2035/36 hat bislang nur Schweden erklärt, zu kandidieren.
Merz stellt sich klar hinter Wadephul
"Wir werden das diesmal längerfristig von Anfang an gut
vorbereiten", kündigte Merz die neuerliche Bewerbung an. Vor dem
Hintergrund der Kandidatur Schwedens ergänzte er, er werde in der
Europäischen Union dafür werben, "dass es bei diesen beiden Ländern
bleibt. Dass es also nicht wieder konkurrierende Bewerbungen aus
Europa, insbesondere konkurrierende Bewerbungen aus der Europäischen
Union gibt."
Der Kanzler stellte sich klar hinter Außenminister Johann Wadephul
(CDU) und dankte diesem ausdrücklich "für sein großes Engagement
über ein Jahr". Die aktuelle Bewerbung sei von Deutschland vor
vielen Jahren, aber auch sehr spät erklärt worden. Seine
schwarz-rote Regierung habe die Kandidatur sozusagen übernommen und
sich im Koalitionsvertrag entschieden, an ihr festzuhalten. "Wie wir
im Ergebnis gesehen haben, hat das nicht ausgereicht. Wir wollen es
beim nächsten Mal besser machen", versprach Merz.
Merz: Lassen Gründe für Scheitern analysieren
Die Gründe für das Scheitern lasse man jetzt im Auswärtigen Amt
ausführlich analysieren, sagte Merz. Wadephul und er persönlich
hätten "alles getan, um diese Bewerbung erfolgreich werden zu
lassen". Der Außenminister habe kaum eine Kabinettssitzung
ausgelassen, um alle Mitglieder zu bitten, die Bewerbung zu
unterstützen. Man habe nur ein Jahr Zeit gehabt, "in einem
schwierigen Umfeld unsere Bewerbung noch einmal mehrheitsfähig zu
machen. Das ist uns in der Kürze der Zeit leider nicht gelungen."
Wadephul: Österreich und Portugal hatten zuviel Vorsprung
Wadephul war von New York aus nach Mexiko weitergereist, um
politische Gespräche zu führen. Am Rande des Besuches räumte er
erneut ein, man habe am Mittwoch kein befriedigendes Ergebnis
erhalten. "Doch nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das nächste Spiel
wird es wieder geben und jetzt fängt gerade die Qualifikationsphase
an." Während man die Ursachen und geopolitischen Gründe analysiere,
sei man zu dem Schluss gekommen, dass ein Faktor die späte Erklärung
der Kandidatur gewesen sei. "Österreich und Portugal hatten einfach
von Anfang an viel zu viel Vorsprung."
Daraus habe man die erste Konsequenz gezogen und am Donnerstag die
Absicht zur erneuten Kandidatur 2035/2036 sowie für 2043/44 erklärt,
sagte Wadephul. "Denn Deutschland bleibt mit all seinem Gewicht
weltweit weiter aktiv für Frieden und Sicherheit und ganz besonders
in Europa."
Die Bundesregierung werde nun vor allem bei europäischen Partnern
und Wertepartnern darüber hinaus um Unterstützung werben. Auch mit
den Staaten in Afrika werde man das intensive Gespräch suchen. Er
werde dazu noch vor der Sommerpause nach Afrika reisen, kündigte
Wadephul an. "Es ist eben in der Tat eine lange Kampagne
erforderlich und die beginnen wir jetzt."/bk/mfi/DP/he
AXC0193 2026-06-05/20:25
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Autor: - dpa-AFX
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